Land der Berge. Land am Strome. Land der Äcker ... Österreich bietet aufgrund der geografischen Lage ideale Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Und die Alpenrepublik nutzt diese auch: rund 75 Prozent der Stromerzeugung stammt aus nachhaltiger Produktion. Den größten Anteil hält Wasserenergie, danach folgen erneuerbare Energiequellen aus Sonnenlicht, Biomasse und Wind. In der EU verfügt Österreich, mit Ausnahme von Norwegen, über den höchsten Anteil erneuerbarer Energieträger bei der Stromerzeugung.

Neben Wasser- und Sonnenenergie wird besonders der Windkraft großes Entwicklungspotenzial für die nächsten Jahre prognostiziert. Die Vorteile liegen auf der Hand – oder vielmehr in der Luft: Windkraft ist die am weitesten entwickelte Ökostromtechnologie. Und eine vergleichsweise kostengünstige Form der Stromerzeugung, die auch in der Lage ist, große Strommengen zu produzieren. Ein Beispiel: eine moderne Windenergieanlage mit einer Leistung von 3 MW erzeugt bereits Strom für rund 1.300 Haushalte. Das bedeutet, dass schon eine einzige Anlage in der Lage ist, eine kleine Gemeinde mit elektrischem Strom zu versorgen. Ein weiterer Vorteil: die nachhaltige Nutzung. So beendet eine Windenergieanlage erst nach rund 20 Jahren ihren Lebenszyklus. Der Abbau der Anlage erfolgt schnell, unkompliziert und umweltverträglich. Eine Wiederverwertung fast aller Bestandteile ist möglich.

Ein weiterer, wirtschaftlich positiver Aspekt: der Betrieb von Windenergie an Standorten, an denen der Strom verbraucht wird, ist zumeist wirtschaftlicher, als den Strom mit Transportverlusten über weite Entfernungen zu transportieren. Dies ist auch auf windschwächeren Standorten sinnvoll, an denen ein geringeres Potenzial der Windausbeute besteht. Mittlerweile sind Windtechnologien so weiterentwickelt, dass diese auch an windschwächeren Standorten wirtschaftlich betrieben werden können. Durch die wachsende Nutzung von regionalen Kraftwerks-Projekten wird der Strom damit direkt beim Verbraucher produziert. Ein Erfolgsbeispiel regionaler Windenergienutzung ist das Burgenland: das östliche Bundesland Österreichs ist größter Windstromproduzent. In 15 Windparks mit 221 Windenergieanlagen und einer Leistung von insgesamt 500 MW werden jährlich rund 1 Milliarde Kilowattstunden Ökostrom produziert. Seit September 2013 werden rein rechnerisch 100 Prozent des burgenländischen Strombedarfs aus erneuerbarer Energie abgedeckt. Die dezentrale Energiewende wird, sagen Experten, den heutigen Energiemarkt revolutionieren. Neben leistungsstarken Windparks werden zukünftig eine ganze Fülle kleinster „Energiesammler“ zu einer breiten Palette modernster Umwelttechnologien beitragen.

Stichwort Schall: moderne Windenergieanlagen arbeiten relativ leise und sind bei starkem Wind kaum zu hören. Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung muss nachgewiesen werden, dass an der Grenze eines Wohngebietes der Schall, der von der Windenergieanlage verursacht wird, nicht höher als 45 Dezibel (dB) ist. Und dies passiert bereits in einem Radius von 300 bis 500 m Entfernung zum Windrad, wo die maximale Lautstärke von 109 Dezibel auf 45 Dezibel sinkt, was dem Betriebsgeräusch eines Kühlschranks entspricht. Im Bezug auf das viel diskutierte Landschaftsbild durch Windräder zeigt sich im Burgenland, dass Windräder dort zum Selbstverständnis regionaler, sauberer Energieerzeugung gehören. Motto: Windenergie, Weinbau und Neusiedlersee.

Weltweit wurden die Kapazitäten der Windkraft in den letzten zehn Jahren um nahezu das Neunfache ausgebaut. Derzeit sind die Briten bei der Offshore-Windkraft führend: nach Angaben des Global Wind Energy Council (GWEC) liegen sie mit einer installierten Kapazität von 2.947,9 MW weltweit an erster Stelle. Bis zum Jahr 2020 will die EU 20 Prozent der benötigten Energie mit erneuerbaren Energien, vor allem mit der Windkraft erzeugen. Auch Österreich liefert dazu einen großen Beitrag. Die österreichische E-Wirtschaft plant bis 2020 Investitionen in einem Umfang von 12,6 Milliarden Euro. Fast 40 Prozent der Investitionssumme fließen in den Ausbau einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Energieversorgung, 1,1 Milliarden Euro davon in Windkraftwerke.

Fazit: der Rohstoff Wind steht dem Menschen kostenlos und dauerhaft vor Ort zur Verfügung. Da erscheint es fast logisch, dass sich laut Studie für Erneuerbare Energie Österreich fast 80 Prozent der heimischen Bevölkerung für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien aussprechen. Im Burgenland wird der weitere Ausbau von Windkraftanlagen von gar 82 Prozent der Befragten befürwortet.