Das Auto mit Elektroantrieb steht in den Startlöchern: Wofür steht E-Mobilität heute im Jahr 2018 – was ist sozusagen der Ist-Stand?

2018 ist das Jahr, an dem Elektromobilität weltweit und auch in Österreich einen Wendepunkt erreicht: Elektrofahrzeuge erlangen preisliche und Nutzen-Parität zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Das heißt, immer wenn eine neue Innovation oder Technologie entwickelt wird, fehlt es oft noch im Vergleich zu „alten“ Technologie etwa an Infrastruktur oder Normierungen.

Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem die Technologie gleichwertig oder sogar noch besser ist, als das, was wir bislang kannten. Mit den verschiedensten Formen der E-Mobilität sind wir nun genau an diesem Punkt angelangt. Wir können damit ein besseres Produkt herstellen als mit einem vom Prinzip her 130 Jahre alten Verbrennungsmotor.

Und wie wird E-Mobilität in der Zukunft aussehen? Welche Ziele gibt es etwa für den Zeitraum bis 2025?

Bei den meisten Umbrüchen dauert es eine ganze Zeit, bis ein wirklicher Umbruch erreicht ist. Dann geht aber alles relativ schnell. Daher behaupte ich, dass im Jahr 2025 der Verbrennungsmotor bei Neuwagen auf ein Minimum reduziert sein wird. Die Logik dahinter ist, dass Verbrennungsmotoren nicht mehr in allen Städten fahren dürfen. Vor allem was die City-Mobilität, etwa auch in Wien, Salzburg oder Graz betrifft, werden elektrische Anbieter bei Verkäufern die absolute Mehrheit sein.

E-Mobilität ist auch Hoffnungskind einer besseren Umweltverträglichkeit. Wie sehen Sie ganz allgemein die aktuellen Entwicklungen und Forschungen?

E-Mobilität hat natürlich verschiedene Aspekte. Immer mehr Menschen leben in Städten und um die Lebensqualität im städtischen Raum zu erhalten bzw. zu verbessern, müssen wir über emissionsfreie Antriebe, aber auch über das Thema Feinstaub und Lärm nachdenken.

An den saubereren und leiseren Elektro-Antrieben kommt man somit gar nicht vorbei! Wir sehen jetzt schon, dass einige Städte in China ihre komplette Busflotte elektrisch betreiben. Aber auch weltweit steigt der Druck, emissionsfreie Städte zur Wirklichkeit werden zu lassen.

Für viele Konsumenten ist der Faktor Kosten wichtig: Welche Tendenzen beobachten Sie aktuell, wenn Sie an den Aspekt der Wirtschaftlichkeit denken?

Momentan haben wir im Kopf, dass Elektroantriebe teurer in der Anschaffung sind und letztendlich eine schlechtere Alternative zu dem sind, was wir bislang kennen. Wenn sich das aber nun umdreht und der Elektroantrieb deutlich günstiger in der Anschaffung und im Betrieb wird und außerdem daneben noch mehr Fahrspaß bietet, dann sehe ich keine großen Hindernisse mehr, dass E-Mobilität nicht die erste Wahl werden wird.

Außerdem ist das Produkt ja im Grunde genommen einfach und unkompliziert – auch wenn wir gerade noch viel darüber nachdenken, wo wir aufladen können. In Zukunft wird es in jeder Garage, jedem Parkhaus und bei jedem Supermarkt einen Ladeanschluss geben. Und die Reichweiten verdoppeln sich derzeit alle fünf Jahre. Das heißt, dass wir im Jahr 2025 Reichweiten von 800 Kilometern und weiter mit nur einer Ladung haben werden.

Stichwort „Aufladen“: Welchen Vorteil hat die Nutzung einer anderen Form der Energie abseits von Erdöl im Rahmen der E-Mobilität?

Das Schöne an der E-Mobilität ist, dass die Energie, die wir zur Bewegung von Menschen und Gütern brauchen, hauptsächlich im eigenen Land erzeugt werden kann. Bislang mussten wir die Energie ja aus dem Mittleren Osten oder aus anderen politisch nicht stabilen Systemen in Form von Erdöl importieren.

Diese Energie können wir genau ein einziges Mal nutzen! Im Rahmen der E-Mobilität haben wir die Möglichkeit, die Energie im eigenen Land über Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse usw. zu erzeugen. Das ist ein riesiger Fortschritt! Diese Energieformen sind erneuerbar und belasten die Umwelt und das Klima nicht.

Schließlich ist der Klimawandel die größte Bedrohung der Menschheit! Man kann entweder Teil des Problems sein und den Klimawandel vorantreiben oder man kann Teil der Lösung sein und diesen begrenzen. Gerade Österreich wäre gut beraten, sich dafür sehr stark einzusetzen.

Das heißt, Elektroantriebe sowie die Nutzung erneuerbar Energiequellen wären der Schlüssel zu einer „sauberen“ Zukunft?

Genau! Was E-Mobilität so attraktiv macht, ist, dass quasi jeder seine eigene Tankstelle zu Hause hat. Jeder, der eine Steckdose besitzt, kann tanken. Wenn man morgens losfährt, hat man einen vollen Tank und in der Regel hält dieser Tank weitaus länger als man tatsächlich täglich verbraucht.

Wenn man eine eigene Solaranlage am Dach hat, ist man quasi sein eigener Scheich! Es gibt außerdem noch einen weiteren interessanten Aspekt: Erneuerbare Energien unterliegen ja gewissen Schwankungen, etwa wenn die Sonne nicht scheint. Die Batterien von E-Autos werden also auch dazu dienen, das Energienetz zu stabilisieren und entsprechende Speicher zur Verfügung zu stellen.

Wo liegen allgemein die Chancen, aber auch Herausforderungen der E-Mobilität?

Es beginnt in den Köpfen der Menschen! Stellen wir uns vor, es gäbe zwei parallele Erfindungen des Automobils mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Wofür würden sich die Konsumenten entscheiden? Für den Verbrennungsmotor plus Abgase und Lärm oder für den relativ wartungsfreien Elektromotor ohne Kupplung und mit imposanter Beschleunigung? Vermutlich würde die Entscheidung auf den Elektroantrieb fallen, der natürlich viel besser ist.

Aber unser Kopf sagt, dass es etwas Neues ist und wir Angst davor haben. Dies kann man überwinden, indem man einfach eine Probefahrt macht. Leider haben sehr viele Menschen noch keinen Zugang zur E-Mobilität. Aber denken Sie nur an das Smartphone!

Vor zehn Jahren hatte man es bloß als ein nettes Spielzeug gesehen und drei Jahre später besaß es schon jeder. Mit der Elektromobilität wird es ähnlich sein. Zumal wir ja noch in der Pionierzeit sind und es noch nicht so viele Modelle gibt. Die nächste Generation wird natürlich eine wesentlich größere Auswahl und Schnelllademöglichkeiten vorfinden. Die Produkte werden immer besser, attraktiver und günstiger.

Wie schafft man es strategisch gesehen, den Otto Normalverbraucher davon zu überzeugen, auf E-Mobilität umzusteigen?

Ich bin der Meinung, dass Verbote nicht funktionieren. Menschen nehmen dann neue Produkte an, wenn sie einfacher, besser, günstiger oder schneller und damit ein Fortschritt sind. Die E-Mobilität muss nun mit der Verbrenner-Mobilität konkurrieren und beweisen, dass sie besser ist als alles, was wir bislang kannten. Dann steigen die Konsumenten auch freiwillig um – ohne Zwang und ohne Protest.

Welche Ansätze müssen von privater Seite stammen und welche Anreize sollten durch öffentliche, nationale oder gesamteuropäische Strategien gesetzt werden?

Eines der wichtigsten Themen ist natürlich die Ladeinfrastruktur. Man braucht Möglichkeiten, immer und überall seinen Wagen nach- oder aufzuladen. Im Privatbereich hängt es davon ab, ob man ein Eigenheim mit Garage oder einen Stellplatz mit oder ohne Zugang zur Ladeinfrastruktur hat. Das ist ein ganz wichtiges Thema!

Das Interessante ist, dass Elektromobilität in manchen öffentlichen und wirtschaftlichen Bereichen sogar noch einfacher umzusetzen ist als für Privatpersonen.

Der Gesetzgeber ist hier gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen. Außerdem brauchen wir eine Schnellladeinfrastruktur, die es ermöglicht auch weite Strecken zurückzulegen. Auch das ist eine Infrastrukturaufgabe. Die Anreize können generell ganz verschieden gestaltet werden.

Steuerliche Vorteile machen auf jeden Fall zum Anschub Sinn. Wenn man die Umwelt weniger belastet, sollte man auch weniger Steuern zahlen müssen. Außerdem können eigene Spuren für E-Fahrzeuge bereitgestellt werden, um so schneller voranzukommen. In den USA und in Norwegen hat sich das sehr bewährt!

Wer könnten nun etwas dagegen haben bzw. wie agieren die „Gegenspieler“?

Es ist schwierig, bei einer bestehenden Industrie eine so große Veränderung attraktiv erscheinen zu lassen. Und genau darin liegt das Problem. Es ist natürlich nicht das erste Mal in der Geschichte, dass eine schon lange bestehende Industrie nicht unbedingt eine Triebkraft für eine Innovation oder neue Technologie ist.

Anders ist das bei Neugründungen und Start-ups: Schaut man diese einmal genau an, setzen praktisch aktuell alle auf Elektroantriebe, weil sie hierin eine viel größere Zukunft sehen als im Verbrenner. Letztendlich muss die Automobilindustrie nicht nur die Frage klären, ob das Auto der Zukunft mit Benzin, Diesel oder elektrisch angetrieben wird, sondern sich auch mit Themen wie autonomes Fahren und Shared Economy beschäftigen. Das sind große Umbrüche, die die Industrie erst einmal bewältigen muss.

Besteht eine Diskrepanz zwischen dem privaten und dem öffentlichen/wirtschaftlichen Sektor?

Das Interessante ist, dass Elektromobilität in manchen öffentlichen und wirtschaftlichen Bereichen sogar noch einfacher umzusetzen ist als für Privatpersonen. Denken Sie beispielsweise an kommunale Fahrzeuge wie etwa die Müllabfuhr, die immer die gleiche Route fährt und in der Nacht am Stellplatz sehr einfach mit Ladeinfrastruktur versorgt werden kann.

Eine Umstellung macht hier absolut Sinn, weil richtig viel Treibstoff verbraucht wird. Stattdessen könnte man Energie aus Wasserkraft verwenden – das ist wesentlich günstiger!

Zwischen der Forschung am Papier und der tatsächlichen Realisierung ist oftmals ein „Gap“. Wird es Ihrer Meinung nach möglich sein, komplett auf E-Mobilität umzusteigen?

Der Mehrbedarf an Strom, den wir bräuchten, um den kompletten Verkehr auf elektrische Antriebe umzustellen, liegt bei etwa 10-15 Prozent. Das ist in einem Zeitraum von zehn, fünfzehn Jahren keine Hexerei. Auf der anderen Seite sparen wir fossile Rohstoffe, deren Verwendung das Klima und die Umwelt stark belasten. Natürlich verändert sich damit auch der Rohstoffbedarf etwa an Lithium, Kobalt, Nickel oder Kupfer, um Batterien herzustellen.

Aber auch das ist beherrschbar, selbst wenn es einen Nachfrageboom geben wird. Jede Entwicklung, die so tiefgreifend ist, passiert nicht über Nacht. Wir werden in den nächsten Jahrzehnten sicherlich noch Verbrennungsmotoren auf der Straße sehen, aber sie werden über die Zeit zu Exoten werden.

Außerdem werden sich im gleichen Zeitraum auch andere Trends weiterentwickeln. Dann können sich die selbstfahrenden und shared Autos gleich selber zum Aufladen fahren, während wir bei unseren Terminen sind. Gerade in der Kombination mit selbstfahrenden Autos macht E-Mobilität sogar noch mehr Sinn, als man vorher gedacht hat!