Dr. Robin Rumler
Präsident der Pharmig

Arzneimittel sind qualitativ hochwertige Produkte, in die Hersteller, Händler und vor allem jene großes Vertrauen setzen, die sie anwenden: die Patienten. Ob verschreibungspflichtig oder nicht, wer ein Medikament einnimmt, tut es, weil er oder sie sich davon eine Verbesserung seiner bzw. ihrer Lebensqualität erhofft. Arzneimittel stellen ihre Wirksamkeit schon vor Markteintritt unter Beweis, denn nur wenn ein Medikament die hohen Anforderungen der Zulassungsbehörden erfüllt, darf es für Patienten zugänglich gemacht werden.

 

Jahrelanger und umfangreicher Entwicklungsprozess 

In dieser Testphase, die oft zehn bis zwölf Jahre dauert, wird genau untersucht, ob eine Substanz tatsächlich wirksam ist, in welcher Menge, in welcher Form und bei welcher Indikation der Wirkstoff eingesetzt werden kann und natürlich auch, ob und zu welchen Nebenwirkungen es kommen kann.

 

Lebensbedrohliche Medikamentenfälschungen 

Gefälschte Arzneimittel erfüllen meistens keine einzige der Vorgaben: Sie werden nicht in Studien erprobt, ihre Zusammensetzung ist willkürlich und ihre Wirkung mitunter fatal. Es gab bereits Todesfälle, die auf gefälschte Arzneimittel zurückzuführen waren. Mitunter finden sich nicht nur Wirkstoffe in anderen Mengen als in denen von Originalprodukten, sondern auch völlig andere Inhaltsstoffe. 

 

Hohe Standards für hohe Sicherheit

Die pharmazeutische Industrie erfüllt hohe Qualitätsstandards, die für sichere Arzneimittel sorgen. Eine dieser Regelungen, die EU-Richtlinie 2011/62/EU gegen das Eindringen gefälschter Arzneimittel in die legale Lieferkette, ist die jüngste Maßnahme auf europäischer Ebene, um gegen Arzneimittelfälschungen vorzugehen. Sie verlangt neue Sicherheitsmerkmale für alle verschreibungspflichtigen Medikamente. Die Serialisierung und Codierung von Arzneimitteln wird auf Basis dieser Richtlinie bis 2017 EU-weit einheitlich realisiert. Die pharmazeutische Industrie trägt durch hohe Investitionen dazu bei, diese Maßnahmen umzusetzen. Es wird mit Kosten von 6,8 bis 11 Mrd. Euro für alle betroffenen EU-Mitgliedsstaaten gerechnet. 

 

Arzneimittelfälschungen als lukratives Geschäft

Die Kosten für die Einführung der neuen Sicherheitsmerkmale stellen für die pharmazeutischen Unternehmen enorme Belastungen dar. Gleichzeitig zeigt der geschätzte Jahresumsatz von gefälschten Arzneimitteln, wie lukrativ der Handel mit ihnen ist: Weltweit sollen jährlich Fälschungen mit einem Wert von bis zu 60 Mrd. Euro umgesetzt werden.

Diejenigen, die sich in diesem Geschäft engagieren, handeln verantwortungslos. Denn das Fälschen von Arzneimitteln ist, wie der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen einmal sagte, versuchter Massenmord.

 

Internet als Gefahrenquelle

Die Händler nutzen dabei das Internet als bevorzugten Vertriebsweg, da hier eine Kontrolle schwierig ist. Die WHO schätzt, dass die Hälfte aller Medikamente, die über Webseiten ohne offengelegte physische Adresse gehandelt werden, gefälscht ist. 

Im Zuge der EU-Richtlinie sind aber auch hier Maßnahmen geplant, um den Handel mit Fälschungen einzudämmen. So sind für Webseiten Kennzeichnungen vorgesehen, die für deren Legalität bürgen sollen.

Neben all diesen mitunter kostenintensiven Vorkehrungen sind letztlich aber auch die Patienten selbst gefordert, sich durch verantwortungsvolles Handeln nicht der Gefahr von gefälschten Arzneimitteln auszusetzen. Ihre Gesundheit wird es ihnen zweifellos danken.