Mag. Ingo Raimon
Präsident des Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI)

Wie ist die aktuelle Lage der Forschung & Entwicklung in Österreich?

Die forschende pharmazeutische Industrie sieht klar einen Auftrag für sich darin, die medizinischen Herausforderungen der Zukunft anzugehen. Nur Forschung und Entwicklung sichern unsere Arzneimittel von morgen. Mit einer Forschungsquote von rund 15% steht die forschende pharmazeutische Industrie derzeit an der Spitze aller forschenden Industriesektoren weltweit. Kein anderer Industriezweig investiert einen annähernd so hohen Anteil seiner Umsätze in die Forschung und Entwicklung. Geforscht wird vor allem an Medikamenten gegen Krebs, Infektionskrankheiten und neurologische Erkrankungen, wie z.B. Alzheimer.

 

Ist Österreich ein guter Standort für forschende Unternehmen im Bereich Gesundheit und Medizin?

Innerhalb Europas hat sich Österreich insbesondere in modernen Biotechnologien, Medizintechnik und Krebsforschung als gefragter Innovationsstandort entwickelt. Wichtig ist, dass die klinische Forschung ausgebaut wird. Nur durch stetige Forschung können Krankheiten gezielter therapiert werden und auch neue Formen von bestehenden Medikamenten entwickelt werden. Angestrebt wird aktuell auch eine einheitliche, europäische Regelung klinischer Arzneimittelstudien. Ziel ist es unter anderem, eine länderübergreifende Forschung zu erleichtern. Das kann gerade kleinen Ländern wie Österreich helfen, an Studien mit großer Fallzahl mitzuwirken und sich als attraktiver Standort für klinische Studien zu behaupten.  

 

Welche Rahmenbedingungen müssen hierbei in Österreich gegeben sein?

Pharmazeutische Innovation braucht passende Rahmenbedingungen – von der Erforschung bis zum Markteintritt – und muss dementsprechend gestaltet sein. Denn die forschende Pharmaindustrie steht vor großen Herausforderungen: Patente laufen aus, behördliche Auflagen bei Zulassungen werden strenger und die Bedingungen beim Markteintritt werden zunehmend schwieriger. Es muss das Ziel aller Akteure im Gesundheitswesen sein, Österreich als attraktiven Standort für Innovation zu stärken, dazu braucht es ein Miteinander aller Akteure, einschließlich der Industrie. Denn pharmazeutische Innovation entfaltet dann ihren vollen Wert für den Einzelnen und die Gesellschaft, wenn sie dort ankommt, wo sie gebraucht wird: beim Patienten.

 

Wie lange dauert es von der Forschung bis hin zur Markteinführung eines Medikaments?

Unabhängig davon, ob die Innovationen aus den eigenen Forschungslabors der Pharmaunternehmen kommen oder ob sie als Projekte junger Start-ups oder Universitäten in frühen Stadien einlizenziert werden: pharmazeutische Forschung ist mit einem hohen Risiko verbunden. Zehn bis zwölf Jahre Forschung und Entwicklung sowie bis zu einer Milliarde Euro werden bis zu seinem Markteintritt in ein innovatives Arzneimittel investiert. Gerade einmal ein bis zwei Substanzen von 10.000 stehen schließlich dem Patienten als Arzneimittel dann tatsächlich zur Verfügung.