Johannes Sarx und Peter Halwachs
Geschäftsführer LISAvienna, Wiener Life Science Cluster-Organisation

Die Gesundheitssysteme in Europa, Nordamerika und Ostasien stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Eine steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenraten führen zu einem demographischen Wandel. Die Zahl der Nutzer medizinischer Leistungen wächst und früher seltenere altersbedingte Krankheiten entwickeln sich zu Volkskrankheiten. Die Behandlung der Patienten muss durch eine sinkende Zahl an Versicherten jüngeren Alters finanziert werden. Gleichzeitig steigen die Qualitäts- und Sicherheitsansprüche in der Medizin, auf welche die Zulassungsbehörden mit steigenden Anforderungen für die Arzneimittel- und Medizintechnikentwicklung reagieren müssen. Lange Entwicklungszeiten und – kosten sind die Folge. 

In der öffentlichen Diskussion stehen oft die notwendigen Kosten- einsparungen und Effizienzsteigerungen im Vordergrund. Weniger häufig werden die Chancen diskutiert, welche die Lösungsansätze für die Patienten, das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaften im Allgemeinen mit sich bringen können. Visionäre Innovationen basierend auf neuen Erkenntnissen und Technologien eröffnen nicht nur neuartige Behandlungsmöglichkeiten medizinischer Leiden, sondern bieten auch Lösungsansätze, um die Behandlungskosten zu minimieren. Die Volkswirtschaft wird insgesamt durch neue Ideen, Technologien und Produkte gestärkt, welche im akademischen Umfeld und in Industriebetrieben erforscht und entwickelt werden. 

 

Therapie und Technik gegen Volkskrankheiten

Die Sequenzierung des menschlichen Genoms im Jahr 2001 hat große Erwartungen geweckt. Die personalisierte Medizin ist zwar heute für die Behandlung der meisten Krankheiten noch eine Vision, jedoch konnten dank der molekularbiologischen Forschung die Ursachen vieler Krankheiten bereits aufgeklärt und neue biopharmazeutische Arzneimittel entwickelt werden. In Österreich gibt es mittlerweile 155 Unternehmen, die an neuen Arzneimitteln gegen gravierende Krankheiten wie Demenz, Infektionen oder Krebs forschen. 

Ergänzt wird die Arzneimittelentwicklung durch die Medizintechnologie, welche dank neuer Informationstechnologien und Ingenieurskunst insbesondere in Österreich einen starken Aufschwung erfährt. Die auf dem Titelblatt abgebildete bionische Hand mag vor einigen Jahren noch als Science-Fiction gegolten haben, heute ist sie Realität. Innovative medizintechnologische Anwendungen spielen insbesondere bei der Effizienzsteigerung und Kostenminimierung eine bedeutende Rolle. Beispielsweise vermögen neuartige bildgebende Systeme Krankheiten im frühen Stadium rechtzeitig zu erkennen und eHealth-Systeme die komplexen Prozesse im Gesundheitssystem effizienter und kostengünstiger zu gestalten. 

 

„Forschung und Entwicklung im Bereich der Medizin helfen nicht nur Krankheiten zu heilen oder besser vorzubeugen, sondern bieten auch Lösungsansätze zur Minimierung der Gesundheitskosten und schaffen zudem hochwertige Arbeitsplätze.“

 

Innovationssystem der Zukunft

Seit etwa 15 Jahren wird in Österreich ein auch im internationalen Vergleich gut aufgestelltes Innovationssystem implementiert. Allein in Wien gibt es 25 Forschungs-
institute und Universitäten, die Spitzenforschung betreiben. Die Wiener Life-Science-Branche erwirtschaftet Umsätze von 9 Mrd. Euro und beschäftigt mehr als 21.000 Mitarbeiter. Gezielte Unterstützungkommt sehr oft von der öffentlichen Hand. Um die Vorzüge der Medizin der Zukunft auch für Österreich zu sichern, gilt es die Innovationskultur und -systeme weiterzuentwickeln. Voraussetzung sind ideale Rahmenbedingungen, um guten Ideen den Weg zu ebnen.