Geht es um Mobilitätstechnologien, die maßgeblich das zukünftige Verkehrsverhalten formen werden, ist die Elektromobilität ein Schlüsselfaktor.

„Die Elektromobilität fordert die starke österreichische Zulieferindustrie, die bisher primär auf Basis herkömmlicher Fahrzeuge erfolgreich ist“, betont DI Heimo Aichmaier, Geschäftsführer von Austrian Mobile Power. „Elektromobilität ist kein urbanes Phänomen, die Unterscheidung in urbane und ländliche Anwendungsgebiete macht nur bei Planung, Errichtung und Betrieb intelligenter Ladeanlagen Sinn.“

Der Anspruch, einen positiven Beitrag für die Bevölkerung und zukünftige Generationen zu leisten, wird bereits von Bewohnern und Entscheidern aktiv mitgetragen.

Anschaffung attraktiveren

Dank der rasant fortschreitenden Optimierung der Elektrifizierung der Antriebe und der Batterien sind E-Fahrzeuge mittlerweile für viele eine realistische Option für den Alltag. Ein Umdenkprozess hat stattgefunden und dieser ist auch für unseren Lebensraum gut. Elektrofahrzeuge werden dort eingesetzt, wo Einsatzbereiche und Lademöglichkeiten gut gestaltbar und kombinierbar sind und sich durch die Nutzung ein nachhaltiger Wert ergibt.

In Österreich gibt es ein klares Bekenntnis zu CO2-armen Straßenfahrzeugen. Klare und langfristige Förderungen und Investitionen seitens des Staates und der Wirtschaft in Forschung und Entwicklung sind Voraussetzung. Dank Markthochlauf und attraktiver Rahmenbedingungen hinsichtlich Steuerbefreiung und Ankaufsförderung schonen Elektrofahrzeuge nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse.

Gerade Steuerbefreiungen wie Vorsteuer- und Sachbezugsbefreiung und NOVA-Befreiung schaffen Anreize. Kunden profitieren zusätzlich von der Ankaufsförderung für Zero Emission Batterieelektro- und Brennstoffzellenelektrofahrzeuge, die zu je einem Drittel von Österreichs Automobilimporteuren sowie dem Verkehrsministerium und dem Umweltministerium gewährt wird.

„Ergänzend dazu gibt es auch Förderungen von Landesregierungen, die allerdings stark unterschiedlich und leider unkoordiniert gestaltet sind“, betont Aichmaier.

Ladeinfrastrukturnetz erweitern

Um eine flächendeckend zugängliche Ladeinfrastruktur zu gewährleisten, die dem steigenden Bedarf gerecht wird, ist nicht nur der Ausbau der erneuerbaren Energien, sondern besonders eine intelligente Ladestellenverwaltung und Anbindung an europäische Zugangs- und Verrechnungshubs notwendig.

Momentan lässt die verlässliche, vollständige und kundengerechte Zugänglichkeit zur Ladeinfrastruktur zu wünschen übrig, kritisieren die NutzerInnen. Zahlreiche Webseiten und Apps versprechen die Auffindbarkeit von Ladeangeboten, leider sind nicht alle öffentlich geförderten Ladepunkte online angebunden oder ad hoc zugänglich.

Aichmaier empfiehlt, nicht nur die Quantität neuer Ladestationen zu optimieren, sondern die Qualität bestehender Ladeanlagen zu verbessern, sprich auf den Stand der Technik aufzurüsten, womit er auf die Ladeleistung, die kundengerechte Ausführung und Auffindbarkeit sowie die Preisinformationen für eine möglichst rasche und hohe Ladeleistung anspielt.

Speicherung integrieren

Gebäude und ihre Fähigkeit, regenerativen Strom zu produzieren und zu speichern, sollen also in innovative E-Mobilitätskonzepte miteinbezogen werden. Das schont die Umwelt und auch das Haushaltsbudget durch sinkende Stromkosten. „Im privaten Bereich geht es darum, ein intelligentes System für Aktiv- oder Passivhäuser zu schaffen. Dieses kann aus Photovoltaik- und Windkraftanlagen in Kombination mit einer Pufferbatterie, einer Ladesäule und einem intelligent vernetztem Elektrofahrzeug bestehen.

Die Auslegung von Ladelösungen ist immer stark abhängig vom Nutzungsverhalten der im Gebäude arbeitenden oder wohnenden Personen“, schildert Aichmaier und ergänzt: „Wenn Sie als Privatperson eine Ladeanlage in Ihrem Haus errichten wollen, wird es meist ausreichen, eine Wallbox-Ladelösung mit 3,7 kW Haushaltsanschlussleistung zu installieren.

Wer hingegen für ein Mehrfamilienhaus plant, für den macht es Sinn, Pufferbatterien zu installieren, um auch höhere Wechsel- und Gleichstrom-Ladeleistungen von Ladesäulen ab 22 kW anbieten zu können, ohne hohe Netzzutrittsentgelte zahlen zu müssen. Für die Adaptierung von Gewerbeimmobilien ist es wiederum sinnvoll, die Mobilitätsinfrastruktur auf Basis der Bedürfnisse der Gewerbetreibenden auszulegen.

Dies kann durchaus auch bedeuten: noch höhere Gleichstrom-Schnellladeleistungen weit über 50 kW zu errichten, um den Bedarf von kurzen Standzeiten seitens Zusteller und Logistiker zu ermöglichen. Hier lohnt sich eine qualitativ hochwertige Planung besonders, denn intelligente Schnelladelösungen sind stromnetzverträglich.“ Laut Aichmaier beginnt der Trend der intelligenten Ladelösungen gerade zu greifen.

E-Mobilität, autonomes Fahren und E-Carsharing

E-Mobilität und autonomes Fahren sind zwei große Game Changer für das zukünftige Verkehrs- und Mobilitätssystem. Aichmaier weist darauf hin, dass der elektrische Antrieb eines Fahrzeuges gänzlich unabhängig von der Art, ein Fahrzeug zu lenken, zu betrachten ist. Der Gedanke, dass sich Straßenfahrzeuge im urbanen Raum emissionsfrei und gänzlich autonom von A nach B bewegen können, ist jedoch sehr attraktiv.

Ein wichtiger Schritt ist, leistungsfähige Lösungen in Städten zu schaffen, um an urbanen Schnittstellen anzuknüpfen und Verkehrskonzepte zu entwickeln, die Services wie E-Carsharing den Weg ebnen. Gerade deshalb wirft Aichmaier die Frage auf, weshalb nachhaltig agierende Stadtverwaltungen mit Carsharing-Unternehmen nicht enger kooperieren, um gemeinsam E-Carsharing-Konzepte auszuarbeiten und öffentlich zugängliche Ladelösungen zu ermöglichen.

Eine brauchbare und öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für emissionsfreie elektrische Carsharing-Angebote wäre ein enormer Vorteil für alle städtischen NutzerInnen. Zudem können sich Synergien zwischen elektrischem Güterverkehr und Elektrotaxis ergeben, die sich rechnen.