Wie entwickelt sich die urbane Mobilität derzeit?

Es sind generelle gesellschaftliche Trends, insbesondere in den Städten, zu beobachten. Die Menschen werden immer älter, die Durchschnittsgrößen der Haushalte immer geringer und auch die Motorisierung nimmt ab. Die Bedeutung des Besitzes eines eigenen PKWs nimmt immer stärker ab. Dafür werden öffentliche Verkehrsmittel und Radverkehr in den Städten wichtiger. Besonders das Gehen gewinnt an Bedeutung, wobei Gehen nicht ausschließlich als Verkehrsteilnahme gesehen werden darf. Nicht jeder, der sein Haus oder seine Wohnung verlässt, will sich von A nach B bewegen, sondern eventuell einfach nur Zeit im Freien verbringen, auch in der Stadt.

 

Wie gut sind die öffentlichen Verkehrsnetze in Österreichs Städten?

Eine Stadt wie Wien ist nicht nur österreichweit, sondern sicher auch aus internationaler Sicht, ein Vorbild, was den öffentlichen Verkehr betrifft. Auch die Preise sind durchaus angemessen, denn was etwas wert ist, darf auch etwas kosten. Öffentliche Verkehrsmittel gratis anzubieten, wie es beispielsweise in Tallinn versucht wird, halte ich nicht für sinnvoll. Auch in vielen anderen Städten Österreichs gibt es eine gute öffentliche Verkehrsanbindung, wie die S-Bahnen im Raum Graz und Salzburg zeigen. Aufholbedarf hat bei der S-Bahn sicherlich noch Linz.

 

Wie ist der Stand der Dinge in Sachen E-Mobilität?

Vorab muss einmal gesagt werden, dass viele Menschen bei E-Mobilität zuerst nur an sogenannte Elektro-Autos denken. Das ist zu kurz gedacht. Denn es gibt bereits seit langer Zeit Verkehrsmittel, die mit elektrischer Energie betrieben werden. Man denke nur an Züge, U-Bahnen, Straßenbahnen und Oberleitungsbusse. Aber auch der große Fortbewegungshype der letzten Jahre, die E-Bikes, zählen,  wie ihr Name schon sagt, zu dem Oberbegriff E-Mobilität. Was die Absatzzahlen in Österreich betrifft, zeigt sich hier ein sehr erfreuliches Bild. E-Bikes stellen vor allem auch in der Region eine echte Alternative zum PKW dar, und sei es nur als Ersatz für das Zweit-Auto.

 

Ist E-Mobilität immer nachhaltig?

Ob E-Mobilität nachhaltig ist, hängt davon ab, wie der Strom für das elektrisch betriebene Fortbewegungsmittel erzeugt wird. Egal, ob das nun städtische Straßenbahnen, mein eigenes E-Bike oder das Elektro-Auto des Arbeitgebers ist. Strom aus Kohlekraftwerken ist beispielsweise nicht nachhaltig. Dagegen sind wir in Österreich auf einem guten Weg, denn es wird immer stärker auf erneuerbare Energien gesetzt.

 

Kritiker zweifeln daran, dass sich die E-Mobilität durchsetzen wird. Ist diese Skepsis berechtigt?

Wenn wir unsere Klimaschutzziele und eine Energiewende erreichen wollen, dann führt an einer weitgehenden Elektrifizierung des motorisierten Verkehrs kaum ein Weg vorbei. Natürlich ist ein Elektro-Auto mit der heute noch sehr eingeschränkten Reichweite nicht für jede Privatperson sinnvoll. Aber für PKW-Flotten, wie beispielsweise jene von Zustelldiensten oder Taxiunternehmen, macht die Verwendung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen schon heute Sinn. Denn in diesen Fällen können die täglich zu fahrenden Kilometer gut kalkuliert werden. Auch für Carsharing-Angebote würde sich die Verwendung von Elektro-Autos anbieten. Durch die neuen CO2-Vorschriften, welche ab 2020 geltend werden, wird sich aber auch am Sektor der Privat-PKW einiges tun.

 

Wie ist das Potenzial der Verbindung von öffentlichem Verkehr, individueller e-Mobilität und Radverkehr einzuschätzen?

Um urbanen Verkehr wirklich nachhaltig zu gestalten, müssen alle Komponenten miteinander in Einklang gebracht werden. In Wien machen das Gehen, der öffentliche und der Radverkehr zusammen 73 Prozent der zurückgelegten Wege aus. Es wäre für die Lebensqualität in Wien gut, wenn dieser Anteil auf über 80 Prozent gesteigert wird. Dies ist allerdings nur möglich, wenn sich diese verschiedenen Verkehrskomponenten nicht als Konkurrenten verstehen, sondern versuchen, einander zu ergänzen.