„Biotechnologie setzt sich aus den Bereichen der (Molekular) Biologie, der Chemie und der Ingenieurswissenschaften zusammen und befasst sich mit biologischen Systemen“, erklärt Johannes Sarx, Geschäftsführer der Wiener Clusterorganisation LISAvienna. Dabei kann sie in vier Teilbereiche eingeteilt werden.

Die rote Biotechnologie findet ihr Anwendungsgebiet in der Medizin und Pharmazeutik und wird deshalb auch medizinische Biotechnologie genannt. Es werden beispielsweise neue Pharmazeutika entwickelt oder Wirkstoffe durch genetisch veränderte Organismen produziert. Die weiße Biotechnologie wird bei industriellen Produktionsverfahren eingesetzt, wenn es etwa um den Ersatz fossiler Rohstoffe durch nachwachsende geht.

Die grüne Biotechnologie kommt in der Landwirtschaft zum Einsatz. Zu guter Letzt bleibt noch die graue Biotechnologie übrig, die sich mit Anwendungen der Abfallwirtschaft beschäftigt. Alle vier haben gemeinsam, dass sie biologische Systeme nutzen.

 

Weitere Entwicklung

„In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich in unserem Bereich extrem viel getan. So wurde im Jahr 2003 das Genom entschlüsselt, was uns eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnet hat. Jetzt gilt es, die Bedeutung der Gene zu verstehen“, sagt der Geschäftsführer von LISAvienna. Wohin die Entwicklung in den nächsten Jahren gehen wird, ist nicht so leicht zu sagen. Neben der Genomik und Proteomik gewinnen die Systembiologie und die Betrachtung des ganzen Metabolismus an Bedeutung. Im medizinischen Bereich können dadurch neue Arzneimittel für bisher schwer behandelbare Krankheiten entwickelt werden, wie z.B. Diabetes und viele Krebsarten. Das sind nur einige der Errungenschaften der Biotechnologie von denen wir bereits profi tieren und Entdeckungen in der Zukunft werden weitere Vorteile bringen.

 

Forschung in Österreich

„Österreich muss sich im internationalen Vergleich nicht verstecken, im Gegenteil. Die heimische Biotechnologie zählt zu Europas Spitze“, so Sarx. Besonders die Grundlagenforschung ist hier federführend, nicht nur in Europa, sondern auch im globalen Kontext. An den medizinischen Universitäten in Wien, Innsbruck und Graz beispielsweise leisten dort Forscher tolle Arbeit. Aber auch die außeruniversitären Einrichtungen tragen ihren Teil dazu bei, dass in Österreich grundlegende Mechanismen entschlüsselt werden, um weltweit dann darauf aufbauend die Forschung vorantreiben zu können. In Graz befindet sich beispielsweise eine der größten Biobanken unseres Kontinents.

Die Biotechnologie-Industrie hat in Österreich auch zahlreiche Vertreter. Neben den großen Unternehmen siedelten sich hier seit dem Beginn der 2000er-Jahre auch eine ganze Menge an Start-Ups an.

Diese leisten oft die Vorarbeit und lizenzieren dann ihre Produkte an große Pharmafi rmen aus. Häufig handelt es sich dabei um international agierende Unternehmen. Die Start-Ups verfolgen dieses Geschäftsmodell, weil die Markteinführung von Produkten im Bereich der Biotechnologie extrem kostspielig ist und von so kleinen Firmen im Alleingang nur schwer getragen werden kann.

 

Bewusstsein schaffen

„Mir persönlich ist es wichtig, dass die Menschen die Angst vor der Biotechnologie verlieren. Denn viele haben noch Vorurteile gegenüber der Gentechnologie“, meint Johannes Sarx. Die Entwicklung geht aber genau in die Richtung, dass immer mehr Biopharmazeutika auf den Markt kommen werden, die dank Gentechnik überhaupt erst entwickelt werden können.

Dies steht für Sarx nicht zur Diskussion. Die Frage ist nur, ob man diese Entwicklung ausschließlich im Ausland beobachten will oder ob Österreich dabei auch eine Rolle spielen soll.