Es ist noch gar nicht so lange her, da maßen Kampfrichter bei Sportbewerben die Zeit manuell mit einer Stoppuhr. Das Problem daran war die menschliche Reaktionszeit, die sich negativ auf die Genauigkeit auswirkte. Heute ist die Handstoppung im Sport zum größten Teil Geschichte. Die elektronische Zeitmessung ist um ein Vielfaches genauer, ein digitales Start- und Zielsignal sind die Basis für den technologischen Fortschritt.

Daten in Echtzeit

Gerade bei sportlichen Großveranstaltungen wie der Tour de France, dem größten Radrennen der Welt, ist eine exakte Zeitmessung unabdingbar. Das Sportevent findet bereits seit dem Jahr 1903 statt und wird 2017 zum 104. Mal ausgetragen. Heute ermöglicht modernes, digitales Datentracking darüber hinaus, das Sportereignis für Radsportfans noch interessanter zu machen. Der Grund dafür: Die Daten werden in Echtzeit geliefert.

GPS-Tracker an den Rädern

Die digitale Datenerfassung wird durch kleine, an jedem einzelnen Rennfahrrad angebrachte GPS-Tracker ermöglicht. Diese kommunizieren sowohl miteinander als auch mit den Sensoren in Renn- und Teamfahrzeugen. Auf diese Weise wird ein sogenanntes vermaschtes Netzwerk erzeugt. Die gesammelten Daten werden von den Rennfahrzeugen in einen Helikopter und von dort an eine mobile Datenstation übertragen. Dort werden sie erfasst, digital aufbereitet und in eine Cloud-Plattform hochgeladen.

Publikum ist top informiert

Was sich kompliziert anhört, macht das Rennen für Zuseher auf der ganzen Welt noch einfacher nachvollziehbar und spannender: Das Publikum ist stets auf dem aktuellsten Stand, was die Geschwindigkeit, die Distanz zwischen den Fahrern, die Zusammensetzung des Hauptfelds, die Windgeschwindigkeit und -richtung sowie die vorherrschenden Wetterverhältnisse betrifft.

Livedaten für internationale Medien

Da die Datensätze auch Medienstationen zur Verfügung gestellt und in sozialen Netzwerken geteilt werden, profitiert nicht nur das Publikum vor Ort von der digitalen Technologie. Visualisiert und publiziert werden die Renndaten etwa mithilfe einer Kommentatoren-App, durch die Medien stets aktuelle Daten mittels Fingerwisch zur Verfügung haben. So können sie ihr Publikum mit Echtzeiteinblicken und ausführlichen Rennanalysen versorgen. Oder mithilfe von TV-Grafiken, die von Sendern in Echtzeit gezeigt werden können.

Publikum kann sich aktiv beteiligen

Zahlreiche Livedaten wie Videos, Fotos und Social Media Feeds werden außerdem auf einer Live-Tracking-Website vereint. Zuschauer auf der ganzen Welt können so das Sportereignis in Echtzeit miterleben und neue, tiefere Einblicke gewinnen. Die Integration von Social Media ermöglicht es den Zuschauern, sich aktiv am Geschehen zu beteiligen und spricht auch die Generation junger, technikaffiner Zuseher an.

Bis ins kleinste Detail

Bereits bei der Tour de France 2016 konnten 127,8 Millionen Datensätze über die telemetrischen Sensoren unter den Fahrradsatteln analysiert und aufbereitet werden. Zu den ermittelten Daten zählt etwa die Durchschnittsgeschwindigkeit während der 21 Etappen – sie lag im Vorjahr bei 38,34 Kilometern pro Stunde.

Die digitale Technik informierte auch darüber, dass die Fahrer teilweise mit starkem Wind bis zu 80 Stundenkilometern zu kämpfen hatten. Im Juli 2017 kommt die ausgeklügelte Echtzeit-Datenmessung erneut zum Einsatz: Bei der 104. Tour de France werden in 21 Etappen 3.540 Kilometer zurückgelegt.