Roboter werden schon seit einer Weile eingesetzt. Wie aber unterscheidet sich die neue Generation von den bisherigen Systemen?

Moderne Roboter sind heute erheblich flexibler. Früher hat eine solche Maschine monoton einen einzelnen Vorgang durchgeführt und war auch für Menschen sehr gefährlich: Der Roboter hat seine Aufgabe stur ausgeführt. Wenn dabei irgendwie ein Mensch dazwischen kam, konnte er das nicht erkennen und hat trotzdem mit seinem Programm weitergemacht – egal ob das den Arbeiter gefährdet hat oder nicht. Deshalb mussten diese Geräte zur Sicherheit auch mit Zäunen und Käfigen abgesichert werden.

Und was hat sich nun verändert?

Insbesondere durch die weitreichenden Fortschritte in diesem Bereich in den letzten drei Jahren sind Roboter nun mit einer Vielzahl von intelligenten, elektronischen Komponenten und Sensoren ausgestattet. Das ermöglicht ihnen, mehrere Funktionen auszuüben und mit dem Menschen besser zu interagieren. Eine Stärke von Robotern ist grundsätzlich, dass sie sehr schnell lernen: Wenn man ihnen eine Tätigkeit beibringt, verstehen sie das sehr schnell. Da brauchen Menschen manchmal länger.

Dann wird der Roboter uns wohl bald ersetzen?

Nein, das wird so schnell nicht passieren. Kollaborative Robotik wird in unsere industrielle Arbeitswelt massiv Einzug halten und sich letztendlich auch in ganz anderen Bereichen durchsetzen. Das heißt aber nicht, dass der Mensch ersetzt wird. Ein Roboter kann bestimmte Dinge zwar besser als ein Mensch.

Aber vieles gelingt ihm noch nicht so gut, weil er nur klar definierte Informationen verarbeiten kann. Der Umgang mit Erfahrungen, intuitive Entscheidungen, ein Sinn für Haptik – das alles fällt Robotern noch sehr schwer. Deshalb ist auch eine für uns Menschen so banale Tätigkeit wie ein Zimmer aufzuräumen für sie nicht leicht.

Welche Auswirkungen hat das auf den Arbeitsmarkt?

Manchen Arbeiter wird ein Roboter sicherlich ablösen. Die Aufgaben, die Roboter leicht übernehmen können, sind in erster Linie die von ungelernten Kräften. Da muss man mit Weiterbildungsmaßnahmen gegensteuern. Viele Arbeitsplätze sollten aber durch Roboter  gesichert werden, weil Menschen von ihnen unterstützt, effektiver, schneller, qualitativ besser und auch gesünder arbeiten.

Wenn die Politik die Erhöhung des Renteneintrittsalters diskutiert, sollte man darüber nachdenken, wie ältere Menschen in der Lage sind, dann noch vernünftig arbeiten zu können. Der Roboter kann ihnen dabei unter die Arme greifen – insbesondere dort, wo schwere Lasten getragen werden müssen oder bei der Montage altersgerechtes Arbeiten gefragt ist.

Wie weit ist dieser Wandel denn schon in der Wirtschaft fortgeschritten?

Die Unternehmen haben den Technologiesprung auch wahrgenommen. Jeder überlegt jetzt, ob er mit den technologischen Methoden besser werden kann. Durch die Vereinfachung der Bedienkonzepte und stetig sinkende Investitionskosten werden die Robotik allgemein und die Mensch-Roboter-Interaktion insbesondere auch für KMU in Österreich spürbar interessanter. Mehr und mehr Firmen werden wohl bald auf so eine Automatisierung setzen.

Am Ende wird aber immer den Ausschlag geben, ob eine solche Innovation ökonomisch sinnvoll ist und einen wirtschaftlichen Gewinn bringt. Aufgrund der positiven Erfahrungen, die in Pilotanwendungen gemacht wurden, sehen wir aber ein großes Verbreitungspotenzial – unter der Prämisse, dass die Sicherheit für Mitarbeiter und Maschine gewährleistet werden kann.

Und wie wird für diese Sicherheit gesorgt?

Bei Fraunhofer Austria beschäftigen wir uns derzeit vor allem mit der Frage der Sicherheitsstandards. Wie werden hier Grundregeln implementiert und auch sinnvoll überprüft. Wenn im Frühjahr das Riesenrad im Prater wiedereröffnet und dazu abgenommen wird, weiß jeder, was er zu tun hat. Bei einem neuen Robotersystem ist das nicht der Fall. Deshalb versuchen wir zu definieren, welche Überprüfungen notwendig sind, um ein solches Arbeitssystem vernünftig abzunehmen.

Das bleibt vermutlich nicht die einzige Frage?

In der Tat: Am Beispiel Mensch-Roboter-Kollaboration wird deutlich, dass viele Technologien bereits verfügbar sind, aber zahlreiche Fragestellungen im Kontext der Umsetzung noch beantwortet werden müssen.