Die Städte der Zukunft sind vom Gedanken der Nachhaltigkeit getragen. Die „Smart Cities“ überraschen mit neuen Ansätzen rund um die Themen Erneuerbare Energie, Telekommunikation, intelligente Energienetze und Mobilität. Hinter dem Begriff stehen die Vision einer intelligenten Stadt und der Aufbruch in ein neues Energie- und Wirtschaftssystem.

Welche Ziele verfolgt das Bundesministerium, wenn es von „nachhaltiger Stadtentwicklung“ spricht?

Nachhaltige Stadtentwicklung heißt, die neuen Technologien und Systeme mit größtmöglicher Effizienz zu kombinieren. Also zum Beispiel Energie erzeugende Gebäude aktiv in das Management der thermischen und elektrischen Netze (Smart Grids) einzubinden. Auch erneuerbare Energien und umweltfreundliche Mobilität werden intelligent integriert. Darum auch die Bezeichnung „smart“.

 

Das AIT (Austrian Institute of Technology) erarbeitet derzeit einen Energieversorgungsplan für die 5-Millionen-Einwohner-Stadt Nanchang in China. Warum wurde dieses Projekt an eine Forschungseinrichtung eines Landes vergeben, dessen größte Stadt lediglich 1,7 Millionen Einwohner zählt?

Auf diesen Auftrag kann Österreich stolz sein. Er ist das konsequente Ergebnis zielgerichteter Forschungsförderung. Das BMVIT investiert jedes Jahr um die 100 Millionen Euro in Energieforschung. Österreich hat als erstes europäisches Land bereits vor Jahren begonnen, intensiv an der Smart-Cities-Idee zu arbeiten. Der Auftrag ist die „Belohnung“ dafür. 

 

Die Städte der Zukunft werden mit dem Begriff „Smart Cities“ beschrieben. Smart bzw. clever sind sie deswegen, weil sie hocheffiziente, umweltfreundliche und lebenswerte Städte für die Zukunft schaffen. Was bedeutet das in der Umsetzung?

Die Energieeffizienz wird steigen und es werden sich die Mobilitätsangebote massiv erweitern. Ein Beispiel: Für eine vierköpfige Familie in einer Altbauwohnung mit zwei Autos heißt das: Die Energiekosten bleiben für die Familie auch in Zukunft leistbar, selbst wenn Strom und Ölpreis weiter ansteigen. Natürlich ist jeder klimaverträgliche Neubau leichter und billiger als Eingriffe in die Altbausubstanz. Aber durch langjährige Forschungsarbeiten gibt es in der Zwischenzeit viele Lösungen für sanfte „Energie-Aufrüstung“. Und statt zwei Autos, die immer mehr Kosten verursachen, gibt es in der Familie dann vielleicht nur mehr ein Auto und dafür die Nutzung eines intelligenten Systems aus Car-Sharing und öffentlichem Verkehr. Gerade in städtischen Gebieten zeigt sich immer mehr, dass verschiedene Wahlmöglichkeiten, wie Fahrrad, öffentlicher Verkehr, Car-Sharing usw. attraktiver werden. Viele dieser Angebote stecken erst in den Kinderschuhen. Ein Ziel gewinnt aber an Bedeutung: nämlich möglichst schnell, flexibel und effizient von A nach B zu kommen. Nicht unbedingt mit dem eigenen Auto.

 

In den Smart Cities wird der Energiebedarf ausschließlich aus erneuerbaren Energien wie der Windkraft oder Sonnenenergie gewonnen. Ab wann kann Österreich gänzlich auf Atomstrom verzichten?

Österreich wird wahrscheinlich bereits ab 2016 deutlich mehr Strom produzieren als es verbraucht. Um sicher zu sein, dass es nicht zu fallweisen Importen von Atomstrom kommt, bräuchten wir aber eine verpflichtende Kennzeichnung aller Stromimporte.

 

Derzeit kann durch die Verarbeitung von Erdgas, Erdöl und Kohle die erforderliche Energiemenge gut gesteuert werden. Kann das mit ausschließlich grüner Energie funktionieren?

Das Ziel eines 100 Prozent erneuerbaren Energiesystems ist langfristig möglich. Österreich ist ja in der glücklichen Lage, über sehr viel Wasserkraft zu verfügen. Und der Anteil sonstiger erneuerbarer Energie steigt permanent an.