Die vollkommen digitalisierte „Smart City“ von morgen wird auch bei Bosch gebaut. „Smart Cities steigern die Lebensqualität der Bewohner, aber auch die Wirtschaftlichkeit der Städte. Unser Ziel ist es deshalb, Städte intelligenter zu machen“, verkündet Bosch-Konzernchef Dr. Volkmar Denner.

Die Bauteile der intelligenten Stadt von morgen sind in erster Linie jene Alltagsgegenstände, die uns umgeben. Deshalb steht bei Boschs Entwicklungsarbeit das sogenannte Internet der Dinge (IoT) im Zentrum: Langfristig sollen möglichst viele Gegenstände fernab des Bildschirms und Displays vernetzt und mit der virtuellen Welt gekoppelt werden. Und das betrifft gerade einen Hersteller von elektronischen Produkten unmittelbar, betont Hanno Miorini, Vizepräsident von Bosch Sales Automotive Technology: „Wenn demnächst Fahrzeuge, Maschinen, Hausgeräte, Energiesysteme automatisch kommunizieren, dann berührt das den Kern unseres Unternehmens. Es ist das Internet der Dinge, das wir bei Bosch als epochalen Wandel begreifen, wie vor 50 Jahren den Einzug der Elektronik ins Auto.“

Mit der Cloud in die Zukunft

Grundlage für diesen Epochenwandel bildet im Unternehmen die Software Bosch IoT Suite, mit der bereits jetzt zahlreiche Anwender, Unternehmen und Geräte miteinander verknüpft werden.

Über fünf Millionen Geräte sind hier schon in einer konzerneigenen Cloud angebunden - von einem Rechenzentrum in Deutschland aus betrieben. Das Programm ist laut Hanno Miorini ein wesentliches Element für den Weg des Unternehmens in die Smart City: „Diese Software-Plattform integriert alle Funktionen, die vernetzte Geräte, Anwender und Services ermöglichen.“

So sollen bald Fahrzeuge, Energienetze sowie Beleuchtungs- und Ampelsysteme bis hin zu vollständigen Infrastrukturen – wie der Personennahverkehr oder Parkhäuser – durch diese Software untereinander und mit der Bevölkerung vernetzt werden. Da Mobilität für den Stadtbewohner auch in der Zukunft ein wesentliches Element sein wird, kommt hierbei vor allem dem Auto eine zentrale Rolle zu.

Dem Traum vom automatisierten Fahren ist man bei Bosch aber schon länger auf der Spur: Technologien im Bereich der Fahrerassistenz boomen und Bosch ist an dieser Expansion maßgeblich beteiligt: Der Absatz von Radar- und Videosensoren hat sich 2015 in nur einem Jahr verdoppelt - so wurden 50 Millionen Sensoren ausgeliefert. Im Bereich der Radarsensoren ist Bosch gar Weltmarktführer. Neue Assistenzsysteme werden in diesem Jahr folgen und bereits 2020 will Bosch das automatisierte Fahren auf der Autobahn ermöglichen.

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Und auch über neue Möglichkeiten im Stadtverkehr denkt man nach. In ein paar Jahren soll das Auto dann mit dem digitalen Terminkalender verknüpft werden: Wenn ein Meeting ausfällt, passt das Fahrzeug davon ausgehend sofort die Route an. Auch eine Verknüpfung mit dem eigenen Haus ist möglich, sodass man im Auto den Eingang im Blick hat und etwa ein Paket annehmen kann, obwohl man weit entfernt am Steuer sitzt.

Nie mehr Parkplatzärger 

In der Wunschvorstellung von der smarten Stadt sieht das Fahrzeug nämlich viel weiter voraus als sein Lenker:

Durch die Vernetzung sammelt es zahlreiche  Informationen, die unmittelbar Einfluss auf den Verkehr haben: Staus, Unfälle und Baustellen werden automatisch umfahren, das Fahrzeug bewegt sich entsprechend energieeffizient fort und erkennt eigenständig seinen Wartungszustand. Und insbesondere bei der Parkplatzsuche soll der smarte Wagen seinem Fahrer Ärger ersparen, sagt Miorini: „Mobilität ist der Puls jeder Stadt. Doch immer mehr Ballungsräumen droht der Verkehrskollaps – jeder Autofahrer kann ein Lied davon singen. Smart Cities und vernetzte Fahrzeuge kennen dank Bosch freie Parkplätze und den direkten Weg dorthin.“

In der Zukunft soll das Auto dann auch das Einparken selbst vollständig übernehmen: Mit einem Klick fährt der Wagen autark – sogar ins Parkhaus.

Wie man den Fahrer am besten zu einem Parkplatz bringt, testet man Bosch seit kurzem   in Stuttgart. Im März wurden an zwei S-Bahn-Linien Sensoren installiert, die erfassen, ob es in den benachbarten fünfzehn Park-and-Ride-Stationen einen freien Platz zum Parken gibt: In der IoT Cloud wird davon ausgehend eine Karte mit freien Plätzen erstellt, die via App zur Verfügung gestellt wird und den Fahrer motivieren soll, beim entsprechenden Verkehr auf die S-Bahn auszuweichen. 

Ein ähnlichen Service bietet Bosch ab Sommer auch für Lastwagenfahrer an: Mit Secure Truck Parking vermittelt Truckern und Spediteuren bei Bedarf schnell freie Standplätze und verhindert eine lange und darüber hinaus gefährliche Parkplatzsuche, wenn dem Fahrer bereits die Augen zufallen.

Ohnehin ist der Sicherheitsaspekt ein grundsätzlicher Gedanke, der Boschs Konstrukteure antreibt. So soll die Connectivity Control Unit dazu dienen, eine bedachtsame Fahrweise zu belohnen. Das Tool sammelt Daten zur Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung und Kurvenfahrt und leitet diese Informationen an die Versicherung weiter. Die Idee: Ein Datenprofil, das auf eine vorausschauende Fahrweise schließen lässt, wird mit Rabatten belohnt. Eine weitere Lösung, die bereits im Einsatz ist, richtet sich an Fahrer von Elektrofahrzeugen: Bosch leitet diese Autos mittels App zur nächsten freien Ladestation, um Strom zu tanken. Darüber hinaus kann die die Batterieladung dann auch gleich mit dem Programm bezahlt werden.

Smarte Stadt spart Strom

Dass man bei der Entwicklung dieser Technologien insbesondere mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit  auseinandersetzt, sei kein Zufall, sagt Miorini: „Ziel von Bosch ist es, den Bürgern eine höhere Lebensqualität und damit mehr Komfort sowie Sicherheit zu bieten, gleichzeitig aber auch Ressourcen zu schonen.“

Denkbar, aber noch nicht technisch möglich, wäre daher etwa eine smarte Stadtbeleuchtung, die die Lampen dimmt, wenn niemand auf der Straße steht und erst heller strahlt, sobald sich Menschen nähern – mit diesem Prinzip spart man schließlich auch bei Rolltreppen Energie.

Derartige intelligente Strukturen sollen in der Zukunft aber nicht nur das Leben draußen vor der Tür bestimmen, sondern auch im Innern regulieren: Nachgedacht wird hierbei vor allem über Gebäudeelemente, die durch Temperatur- und Bewegungssensoren das Wetter und die Belegung der Räumlichkeiten ermitteln, um davon ausgehend die Gebäudeklimatisierung zu regulieren.

Einen Schritt in diese Richtung hat man schon mit dem ebenfalls auf der IoT Cloud basierenden Onlineportal HomeCom Pro gemacht: Hierüber können sich die Hausbewohner jederzeit über den Status ihres Heizungssystems informieren. Bei Problemen naht Hilfe schnell und auf für alle Seiten komfortable Weise: Der Installateur kann sich in das Heizungssystem des Kunden einklinken, um den Status des Systems einzusehen und Störungsursachen bereits vorab online ermitteln.

Wie viele einzelne Haushalte ein ganzes Stromnetz smarter machen können, sieht man wiederum jetzt in Vorarlberg.

Im Rheintal entstand durch die Kooperation von Bosch mit verschiedenen Zukunftsprojekten ein Energieversorgungssystem, das ausgehend von interaktiv gesammelten Daten wie dem Wetter aber auch dem Energieverbrauch der Haushalte in Echtzeit die Versorgung effizient gestaltet und ständig anpasst.  Gemeinsam ist man nämlich meistens schlauer.