„Österreich hat ein sehr dichtes Netz an Möglichkeiten der Erwachsenenbildung“, sagt Michael Landertshammer. Als Institutsleiter des WIFI Österreich und WKO-Beauftragter für Bildungspolitik kennt sich der 59-Jährige mit der Thematik bestens aus. „Wir beobachten, dass langsam aber sicher die herkömmlichen Lernphasen – also Schule, Studium oder Lehre – immer mehr durcheinander geraten“, so der promovierte Rechtswissenschaftler. Ein Trend, der auch innerhalb des Arbeitsprozesses zu beobachten sei: „Arbeits- und Lernprozesse verschwimmen ineinander.“ Bildung und Fortbildung sind heutzutage Themen, die in jeder Altersgruppe und zu jedem Zeitpunkt Relevanz haben – zum Lernen ist es nie zu spät.

Prof. Dr. Michael Landertshammer
Leiter der Bildungspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich
Foto: Petra Spiola

Gerade bei Berufstätigen spielt die Erwachsenenbildung eine immer wichtigere Rolle: „Fortbildungen sind zu einem überwiegenden Teil berufsbegleitend organisiert“, erklärt der Bildungsexperte.

Job und Bildung: eine doppelte Belastung

Wie Untersuchungen des WIFI Österreich zeigen, beschleunigen Fortbildungen die Karriere und sorgen später für ein höheres Einkommen. Dennoch sollte man die zusätzliche Belastung neben der Arbeit nicht unterschätzen. „Ich bewundere jeden, der sich neben seinem Job weiterbildet“, so Landertshammer. Deswegen rät er, sich im Vorfeld genau zu informieren. Eine Möglichkeit dazu bietet der ‚Tag der Weiterbildung‘, der am 12. Juni zum fünften Mal stattfindet. Hier kann man von Experten lernen, wie man sich auf die Doppelbelastung am besten vorbereitet.

Doch nicht nur für die eigene Karriere sind berufsbegleitende Weiterbildungen hilfreich: Auch die jeweiligen Betriebe und die gesamte Wirtschaft profitiert davon. Gerade für eine kleinere Volkswirtschaft wie Österreich, die stark auf Export setzt, sei es extrem wichtig, „dass es Menschen gibt, die sich mit neuen Entwicklungen auseinandersetzen.“ Ob dies formell im Zuge einer Weiterbildung, oder informell in der Freizeit geschieht, mache dabei keinen großen Unterschied.

Bildungsteilzeit: Lernen und Arbeiten

Wem es zu viel ist, sich neben der Arbeit weiterzubilden, der kann in Bildungskarenz gehen oder aber Bildungsteilzeit beanspruchen: Dieses neue Modell ermöglicht es, neben der Aus- und Weiterbildung in Teilzeit weiterzuarbeiten. „Das ist eine wirklich gute Innovation“, freut sich Landertshammer. Letztendlich sei es eine alte Weisheit, welche die Vorteile der Erwachsenenbildung am besten auf den Punkt bringe: „Wer rastet, der rostet.“