Am Anfang ist man dann doch ein bisschen nervös. Die Koffer sind gepackt, alle Formulare ausgefüllt. Das Flugzeug hebt Richtung Finnland ab. Für ein halbes Jahr verlagerte Mathias Past sein Leben nach Helsinki – dort absolvierte er im Zuge des Erasmus Austauschprogramms ein Auslandssemester. „Man fängt fast bei Null an“, erzählt der heute 27-jährige Unternehmensberater. Glücklicherweise hatte er schon von Wien aus einen Platz in einer Studenten-WG mit sieben Mitbewohnern organisiert, ein Tutor der finnischen Fachhochschule holte ihn vom Flughafen ab und kümmerte sich um das Administrative. „Wenn man von Beginn an gut unterstützt wird, tut man sich einfach leichter“, meint Past. In Helsinki hat er viel gelernt: Kochen, bügeln und das Zusammenleben mit anderen, aber auch, den eigenen Horizont zu erweitern. „Man sieht plötzlich viele Dinge ganz anders“, sagt der ehemalige Logistik– und Transportmanagementstudent.

Freunde aus aller Welt

Koffer packen ist für Heidrun Mörtl inzwischen nichts Besonderes mehr. Schon lange hat sie aufgehört, damit früher als einen Tag vor Abflug zu beginnen. Gerade kommt sie von einem ExpertInnentreffen in Spanien und ist für ein paar Tage in Graz, um dann gleich wieder ein Flugzeug Richtung USA zu nehmen. Sie ist zu der Hochzeit von Freunden eingeladen. Mörtl hat Freunde und Kollegen auf der ganzen Welt. Schon mit 15 verbrachte sie ein paar Wochen in den Vereinigten Staaten, als Studentin kam sie zurück. Und immer wieder zog es sie ins Ausland. Im letzten Jahr forschte sie mit einem Marietta-Blau-Stipendium des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung in Minneapolis. „Mit der Zeit baut man einfach Netzwerke auf“, sagt die 28-Jährige. Die Amerikanistin schreibt derzeit an ihrer Dissertation und hat bereits eine fixe Stelle als Zentrum für Inter-Amerikanische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz inne. Ihre große Auslandserfahrung war mit ein Grund, warum man sich für sie entschieden hat. „In meiner Fachrichtung ist das eigentlich ein Muss“, erklärt Mörtl.

Geistige Öffnung

„Man muss sich einfach darauf einlassen“, schildert sie die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Auslandsaufenthalt. Dann lernt man nicht nur eine völlig neue Kultur und ein fremdes Land kennen, sondern auch viel über sich selbst und den Umgang mit anderen Menschen. Es gibt viele Möglichkeiten, einen Teil seiner Ausbildung im Ausland zu verbringen; von den meisten Universitäten wird das auch finanziell unterstützt. Zusätzlich gibt es unterschiedliche Stipendien für verschiedene Bundesländer, Studienfortschritte oder -richtungen. Mit ein bisschen Organisation kann sich heute jeder einen Auslandsaufenthalt leisten, meint Past. Die Mehrkosten werden zum Großteil gedeckt, belohnt werden die Ausgaben auf jeden Fall. „Es ist eine geistige Öffnung“, erzählt er. Und die wirkt bis heute nach. Nicht nur in den besseren Englischkenntnissen, sondern auch in seinem Engagement in der ‚Jungen Wirtschaft Niederösterreich‘, wo er sich um die internationalen Angelegenheiten kümmert. Immer noch ist er mit den finnischen Studienkollegen und den Erasmus-Studenten in Kontakt, die inzwischen wieder in ganz Europa verteilt sind. In Zukunft könnte sich Past auch vorstellen, seine berufliche Tätigkeit als Unternehmensberater zum Teil ins Ausland auszuweiten. „Das ist sicher eine Nebenwirkung des Auslandssemesters“, sagt er.