Der ÖAMTC verfügt schon über einige E-Kompetenzzentren…

Lassen Sie mich da gleich einhaken. Ja, die ersten E-Kompetenzzentren sind jetzt einmal in Wien, in Niederösterreich und im Burgenland geschaffen worden. Österreichweit sind die Planungen aber in vollem Gange, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren noch weitere Zentren dazu kommen.

Die bisherigen Stützpunkte mit E-Kompetenz-Zentrum sind Donaustadt, Wienerberg und Erdberg in Wien. Zusätzlich noch Eisenstadt sowie Baden und St. Pölten. Neu dazu kommen nun auch St. Valentin und Linz.

Warum hat man sich bei der Umsetzung bisher so stark auf den Großraum Wien beschränkt?

Primär, weil es im Großraum Wien die höchste Dichte an Elektro- und Hybridfahrzeugen in Österreich gibt. Begonnen hat es ja eigentlich mit einem Pilotprojekt, um zu schauen, welche speziellen Ausbildungen und welche Ausrüstung unsere Techniker und Mitarbeiter benötigen, um in einem solchen E-Kompetenzzentrum optimal für unsere Mitglieder und deren Elektrofahrzeuge arbeiten zu können.

Aber es ist geplant, die Zahl der E-Kompetenzzentren in Zukunft in ganz Österreich zu erweitern?

Natürlich setzen wir alles daran, am Puls der Zeit zu bleiben und unser Angebot für unsere Mitglieder in Zukunft immer weiter auszubauen und das Angebot noch breiter zu fächern.

Wie sieht die Nachfrage nach E-Kompetenzzentren in anderen Teilen Österreichs aus?

Aufgrund der immer noch relativ geringen Reichweite aktueller Elektroautos ist die Zahl der Fahrzeuge eher auf Großstädte und Ballungsräume beschränkt. Auch wir merken das.

Es ist aber auffallend, dass jetzt auch aus ländlichen Regionen öfters die Anfrage nach einem Elektroauto als Zweitfahrzeug kommt. Aufgrund dieser steigenden Nachfrage arbeiten wir intensiv daran, die Zahl der E-Kompetenzzentren auch in anderen Bundesländern, fernab des Großraum Wiens, auszubauen und zu verdichten.

Damit stellen wir sicher, dass auch in weniger zentral gelegenen Regionen Österreichs die Überprüfung, Wartung und Diagnose von Hybrid- und Elektrofahrzeugen möglich ist.

Was unterscheidet ein solches E-Kompetenzzentrum von einem herkömmlichen ÖAMTC-Stützpunkt?

In den E-Kompetenzzentren haben wir besonderes Augenmerk auf die Ausbildung unserer Mitarbeiter gelegt, was das Thema Elektro-Mobilität in all seinen Facetten angeht. Von Hybrid- und PlugIn-Hybrid-Fahrzeugen über reine Elektroautos bis hin zum E-Bike sind unsere Techniker in diesen Zentren besonders umfangreich geschult und ausgebildet.

Auch in Sachen Ausrüstung der Stützpunkte wurde das Portfolio in den E-Kompetenzzentren erweitert. So ist es etwa möglich, unterschiedlichste Messungen an den Systemen von Elektrofahrzeugen durchzuführen, die in herkömmlichen Stützpunkten bisher nicht machbar sind. Auch das Auslesen wichtiger Werte und das eindeutige Stellen von Diagnosen im Falle eines Defekts sind mit der speziellen Technik in diesen E-Kompetenzzentren möglich.

Kommt es denn abseits der E-Kompetenzzentren häufiger vor, dass Defekte an Hybrid- oder Elektrofahrzeugen nicht ausgelesen werden können?

Nein, meistens funktioniert das sehr gut. Es gibt nur einen Elektroauto-Hersteller, der es bei seinen Modellen unmöglich macht, sie mit einem herkömmlichen, frei verkäuflichen Diagnosegerät auszulesen. Diese Fahrzeuge sind nur vom Hersteller selbst mit eigens hergestellten Geräten auslesbar. Alle anderen Marken sind für uns aber in der Regel gut auslesbar, somit können auch im Pannenfall schnelle und exakte Diagnosen gestellt werden.

Welche Vorteile, neben der Möglichkeit einer exakten Defektdiagnose im Pannenfall, haben die Clubmitglieder noch von diesen E-Kompetenzzentren?

Unsere Techniker sind ja nicht nur Pannenhelfer. Deren Einsatzspektrum ist viel breiter. Neben der Pannenhilfe können Mitglieder mit Elektrofahrzeugen in den E-Kompetenzzentren auch Servicearbeiten wie etwa eine Klimaanlagenwartung durchführen lassen.

Denn Elektrofahrzeuge brauchen ein spezielles, nicht leitfähiges Öl, das sich vom herkömmlichen Öl in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor unterscheidet. Wir können alle bisher bei Verbrennungsmotoren bekannten Dienstleistungen nun auch bei Elektrofahrzeugen durchführen.

Wie sieht es in Sachen Beratung und Hilfestellung vor dem Kauf eines Elektroautos aus?

Wir bieten unseren Mitgliedern natürlich auch eine technische Beratung an, wenn sich jemand demnächst ein Hybrid- oder Elektroauto kaufen möchte, aber im Dschungel der technischen Daten und Angebote professionelle Hilfestellung braucht. Aber auch nach dem Kauf stellen sich oft Fragen, auf die wir Antworten parat haben. Beispielsweise, ob ich mir selbst eine Ladestation installieren lassen kann und welche Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen.

Wie geht das Thema Elektromobilität beim ÖAMTC in Zukunft weiter?

Ein großer Punkt, neben der natürlich immer auf dem neuesten Stand befindlichen Technik in den Stützpunkten, ist das Projekt „Mobiles Laden“. Bisher musste ein mit leerer Batterie liegengebliebenes Elektrofahrzeug bis zu einer Ladesäule in der Umgebung abgeschleppt werden.

In Zukunft soll es aber auch möglich sein, das Fahrzeug per mobiler Pannenhilfe mit etwas Strom zu laden. So kann der Fahrer in der Regel selbst die nächste Ladesäule erreichen. Ein weiterer großer Punkt wird sein, in Zukunft auch neutrale Kapazitätsprüfungen an Elektroautos durchzuführen. So kann dem Besitzer oder Kaufinteressenten exakt gesagt werden, in welchem Zustand sich der Akku des betreffenden Fahrzeugs befindet.

Leider gibt es solche Geräte bisher noch nicht auf dem Markt. Wir sind jedoch auch da schon mit einigen Firmen im Gespräch, um diesen Service bald anbieten zu können.

Wird sich auch in Sachen Lade-Infrastruktur etwas tun?

Natürlich! Wobei wir da schon heute ganz vorn mit dabei sind. Schließlich bieten wir schon an allen unseren Stützpunkten eigene Ladesäulen für Elektrofahrzeuge an. Wir haben aber vor, sie in Zukunft noch weiter auszubauen und auch effizienter zu machen, um kürzere Ladezeiten gewährleisten zu können.

Unser sehr dichtes Stützpunktenetz kommt uns da natürlich, wie in so vielen anderen Fällen, sehr zugute. Damit leisten wir einen großen Beitrag zu einem Mehr an Ladesäulen und zu einem stressfreieren und einfacheren Betrieb von Elektrofahrzeugen im Alltag.