FH-P rof.Dr.Michael Bobik
Studiengangsleiter an der FH Joanneum

Idee und Initialzündung

„Das Schwierigste war die Anfangsphase“, meint Dr. Michael Bobik, Leiter des Studiengangs für Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement an der FH Joanneum. „Es hat lange gedauert, bis wir uns gegenseitig in unseren Anliegen, Motiven und Bedürfnissen verstanden haben.“ Mit „wir“ meint der Experte die teilnehmenden Studiengänge „Bauplanung und Bauwirtschaft“, „Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement“ sowie „Soziale Arbeit“. Sie arbeiten gemeinsam am Projekt „Ökotopia“. „Wir wollen Wissen generieren, welche Zusammenhänge es bei der Stadtplanung zu berücksichtigen gilt und daraus nachhaltige Handlungsmöglichkeiten für eine möglichst hohe Lebensqualität in ressourcenschonender Art und Weise entwickeln“, sagt der Lehrende.

Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit konnten bisher nie da gewesene Ergebnisse erzielt werden. Neben zur Verfügung gestellten Daten startete die Initiative mit einer groß angelegten Befragungsaktion, deren Ziel es war die Wünsche und Bedürfnisse der Anrainer möglichst flächendeckend zu ermitteln. Im Rahmen dieser kamen spannende Erkenntnisse auf.

 

Spannende Erkenntnisse 

„Statistische Modellierungen der Einflussfaktoren ergeben zum Beispiel, dass – bei gleichem baulich gegebenen Energiebedarf und bei gleicher Wohnfläche – Haushalte mit einem höheren Haushaltseinkommen einen höheren Heizenergieverbrauch aufweisen“, sagt der Experte. Die Forscher entdeckten ebenso, dass für die Entscheidung, ob eine Wegstrecke zwischen Wohnort und Arbeitsplatz mit einem Auto oder einem anderen Verkehrsmittel zurückgelegt wird, nicht das Umweltbewusstsein relevant ist. Es ist vor allem die subjektive Annahme der befragten Personen, dass die Wegstrecke schnelle mit dem Auto zurückgelegt werden kann als mit dem Bus oder mit der Straßenbahn. „Die Tatsache, dass ein Verkehrsmittel laut Routing- Daten tatsächlich schneller oder langsamer als das andere ist, zeigt hier keinen Einfluss.“ sagt Dr. Bobik.

Eine weitere Erfahrung, die vor allem für die sozialen Bedürfnisse der Menschen im höheren Alter von Bedeutung ist: Nachbarschaftsbeziehungen in Einfamilienhaus- Gebieten wurden von den Befragten deutlich besser bewertet als in Mehrfamilienhäusern. Eine Krux für ein Generationen übergreifendes Miteinander.

 

„Es ist nicht möglich, einen Masterplan zu zeichnen und diesen dann über eine x-beliebige Stadt zu stülpen.“

 

Neuartige Stadtteilkonzepte

Die von den Studierenden erarbeiteten Stadtteilkonzepte sollen die gewonnen Ergebnisse berücksichtigen und Alternativen sowie Möglichkeiten bieten, freiwillig und gerne auf eine nachhaltigere Lebensweise umzustellen. Und das scheint bis dato gut gelungen. Die Erkenntnisse der Forschungsgruppe werden bereits im Rahmen von Folgeprojekten im Auftrag der Stadt Graz und des Landes Steiermark eingesetzt. Wichtige Ziele, die dabei verfolgt werden: Die Nachhaltigkeit von Wohngebieten, die Entwicklung von marktwirtschaftlichen Wohnbaumodellen, optimale Verkehrsflächengestaltung und Bewusstseinsbildung in der Ressourcenschonung.

Der Ansatz des Forschungsteams ist dabei klar: Die perfekte Stadt gibt es nicht. „Es ist nicht möglich, einen Masterplan zu zeichnen und diesen dann über eine x-beliebige Stadt zu stülpen. Aber es ist uns ein großes Anliegen, Zusammenhänge zu erkennen, aufzuzeigen und diese bestmöglich zu bearbeiten.“