Stadtregionen: Neue  Bezugsräume entstehen

Das Wachstum der Städte und ihres Umlandes sowie die Ausbreitung städtischer Lebensformen und urbaner Lebensstile werden durch sozio-ökonomischen Wandel und technologischen Fortschritt vorangetrieben. Dabei kommt es zu intensiven, funktionalen Verflechtungen zwischen der Kernstadt und ihrem Einzugsbereich.

Ein steigender Energieverbrauch, ein höherer Bedarf an leistbarem Wohnraum sowie die Notwendigkeit neuer Verkehrskonzepte auf Basis eines gut ausgebauten, leistungsstarken öffentlichen Verkehrsnetzes sind die Folge. Die grenzüberschreitenden Planungen und Entscheidungen, die dafür notwendig sind, erfordern ein neues, gemeinsames Agieren: Bereits im Herbst wird mit der Präsentation der „Agenda Stadtregionen“ der notwendige Grundstein für eine österreichweite Stadtregionspolitik gelegt, um das Bewusstsein für die Vorteile einer gemeinsamen, regionalen Politik über Gemeindegrenzen hinweg zu verankern.

Smart Cities als Zukunftskonzepte

Neben dem Zuzug kennzeichnen vor allem der Klimawandel und eine drastische Verknappung natürlicher Ressourcen, insbesondere der fossilen Energieträger, die großen globalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Sie bestimmen auch die künftige Gestaltung des Lebensraums Stadt.

Auf europäischer Ebene ist man sich dieser Zusammenhänge bewusst und hat aus diesem Grund einen Schwerpunkt auf Smart Cities gelegt, um Städte bei der Umsetzung der europäischen “Low Carbon Economy” zu unterstützen. Denn Städte sind und bleiben Zentren der technischen ebenso wie der sozialen Innovation: Nirgendwo sonst finden auf so engem Raum stetige Veränderungsprozesse statt. Und nirgendwo sonst werden auch Fehlentwicklungen so rasch sichtbar.

Innenstädte und Stadtteilzentren als Identifikationsräume

Bei aller Innovation soll die historische Basis, auf der unsere Städte aufbauen, aber nicht ins Hintertreffen geraten: In den wachsenden urbanen Räumen ebenso wie in den Klein- und Mittelstädten, die als Versorgungszentren in ländlicheren Regionen wirken, sind attraktive Zentren als Identifikationsräume unentbehrlich. Die Erdgeschoßzone ist das Gesicht der Stadt und der öffentliche Raum ihr Wohnzimmer.

Autos und Einkaufszentren haben unserer Städte jedoch verändert, Innenstädte stehen teilweise leer oder sterben bereits aus. Der Städtebund hat daher 2015 das „Wissensnetzwerk Innenstadt“ ins Leben gerufen, um gemeinsam mit der Wirtschaftskammer und anderen Playern die Suchen nach zukunftsgerechten Modellen für lebendige und attraktive Innenstädte voranzutreiben sowie die Grundlagen für die wesentlichen raumordnerischen Entscheidungen zu verbessern.

Urban Agenda

Politische Entscheidungen auf allen Ebenen beeinflussen städtische Entwicklungen direkt ebenso wie indirekt. Es ist daher notwendig, die Auswirkungen von sektoraler Politik auf die Stadt in ihrer Gesamtheit darzustellen. Auf Ebene der EU ist mit der „Urban Agenda“ ein solcher Prozess angestoßen worden, denn alle europäischen Städte stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Heute ziehen vor allem Frauen vom Land in die Stadt, denn hier befinden sich Universitäten sowie Jobs für (Hoch-) Qualifizierte und überhaupt 70 Prozent der Arbeitsplätze.

Der öffentliche Nahverkehr und eine gute Kinderbetreuung sind die Grundpfeiler dieses urbanen Lebens. Städte erfinden sich laufend „neu“ – diesmal gilt es, die hohe Lebensqualität in unseren Städten unter den geänderten Rahmenbedingungen weiterhin für alle zu gewährleisten.

Denn die Zukunft ist städtisch und wir müssen sie heute darauf vorbereiten.