Ich bin selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen und weiß, was unsere bäuerlichen Familienbetriebe leisten. Sie pflegen Österreichs einzigartige Kulturlandschaft, versorgen die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln, engagieren sich für den Klimaschutz und tragen maßgeblich zum Erfolg im Tourismus bei. All das darf weder im nationalen noch im internationalen Wettbewerb zum Nachteil werden.

Unsere Land- und Forstwirtschaft hat sich zuletzt sehr positiv entwickelt. Vor allem in den Bereichen Milch und Schweinefleisch, aber auch Rindfleisch konnten wir gute Ergebnisse erzielen. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge mit einem deutlichen Einkommensplus. Dennoch dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die verschiedenen land- und forstwirtschaftlichen Betriebsformen vor individuellen Herausforderungen stehen. 2018 könnte vor allem auf dem Milchmarkt wieder ein leichter Abwärtstrend erfolgen. Umso wichtiger ist es, gezielt gegenzusteuern und den positiven Trend weiter zu verstärken.

Fairness für Familienbetriebe

Es ist mir ein persönliches Anliegen, dass der Fleiß unserer Familienbetriebe gerecht belohnt wird. Qualität ist ihr Markenzeichen – in puncto Quantität können sie nicht mit den großen internationalen Konzernen mithalten. Beim Kampf „David gegen Goliath“ müssen wir klar Stellung beziehen und als Anwalt der heimischen Landwirtschaft auftreten. Unlautere Praktiken, die vor allem kleinere Betriebe oder Unternehmen unter Druck setzen, sind zu unterbinden – nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa.

Ein besonders großes Problem sind die zunehmenden Eigenmarken der Handelsketten. Oft werden sie ohne Herkunftskennzeichnung und zu einem extrem günstigen Preis angeboten. Dazu kaufen die Handelsketten immer wieder billig auf dem EU-Binnenmarkt ein. Heimische ProduzentInnen kommen nicht zum Zug – selbst wenn dieser Eindruck oft vermittelt wird. Unfaire Geschäftspraktiken und undurchsichtige Eigenmarken schaden aber nicht nur unseren LandwirtInnen, sie richten sich auch direkt gegen die Bedürfnisse der KonsumentInnen.

Rückenwind für Qualitätsstrategie

Immer mehr Menschen setzen bewusst auf hochwertige Produkte. Auch „Bio“ liegt im Trend: Seit 2014 ist der Bio-Markt insgesamt um rund 40 Prozent gewachsen. 2017 gab es in Österreich mehr als 23.000 Bio-Betriebe, 24 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen werden biologisch bewirtschaftet. Damit liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld, unser Bio-Aktionsprogramm greift. Zugleich ist es mir wichtig, dass wir auch die konventionellen Betriebe stärken. Sie garantieren Versorgungssicherheit und haben zum Teil höhere Qualitätsauflagen als Bio-Betriebe in anderen Ländern.

Während die Politik entsprechende Rahmenbedingungen gestaltet, kann jeder und jede Einzelne unsere Qualitätsstrategie aktiv unterstützen: Unser Konsumverhalten sendet starke Signale an Produktion und Handel. In Österreich werden jährlich fast 30 Milliarden Euro für Lebensmittel und agrarische Produkte im weitesten Sinne ausgegeben. Was wir kaufen, wirkt sich maßgeblich auf das Angebot aus. Darum setze ich mich mit Nachdruck dafür ein, europaweit geschützte Herkunftskennzeichnungen auf immer mehr Produkte zu erweitern. Sie bieten beim Einkauf eine wertvolle Orientierungshilfe.

Wenn wir unseren BäuerInnen gezielt den Rücken stärken, profitiert ganz Österreich. Mit unserem Regierungsprogramm haben wir uns klar zu einer wettbewerbsfähigen, multifunktionalen und flächendeckenden österreichischen Land- und Forstwirtschaft bekannt. Das ist der richtige Weg in die Zukunft: Wenn wir den Gedanken der Nachhaltigkeit heute hochhalten, werden wir die Herausforderungen von morgen mit Auszeichnung meistern.