Welche Lebensbereiche erfasst der digitale Wandel?

Die Digitalisierung durchdringt mittlerweile alle Lebensbereiche. Seien es Bildung, Arbeit, Behördenwege, Freizeit oder Alltag. Und dieser Wandel vollzieht sich immer schneller. Die kommerzielle Nutzung des Internets begann 1990 – also vor etwas mehr als 25 Jahren, Google ging 1996 an den Start, Wikipedia wurde 2001 als freie Enzyklopädie ins Leben gerufen.

Alles Dinge, die aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenken sind. 2012 gab es erste Tests mit selbstfahrenden Autos und 2014 wurde die ersten 3D-Drucker für einfache Haushalte ausgeliefert. Eine schier unglaubliche Entwicklung in einem Vierteljahrhundert.

Mit jedem Wandel entstehen auch neue Herausforderungen. Wie lässt sich das auf die Digitalisierung ummünzen?

Die Digitalisierung bietet Chancen, gar keine Frage. Man kommt heute leichter und kostengünstiger zu Informationen als früher. Digitale Produkte unterstützen bei Arbeit und Freizeit. Aber in der digitalen Welt herrschen dieselben Herausforderungen vor, wie in der analogen Welt.

Es geht darum, dass alle dieselben Chancen haben. Wir haben in Österreich immer noch 15 Prozent der Menschen, die das Internet noch nie genutzt haben. Das bedeutet einen Nachteil bei Wissen oder bei der Arbeitsplatzsuche. Daher muss der Fokus der Politik auf dem Schließen der digitalen Kluft liegen.

Gleichzeitig gilt es auch, die Herausforderungen mit den Schattenseiten des Netzes anzunehmen. Ich denke hier etwa an Hasskriminalität, die sich immer stärker im Netz verbreitet, aber natürlich auch Cyberkriminalität, einem Bereich, der mittlerweile lukrativer ist als Menschenhandel. Und wir brauchen außerdem soziale Absicherung für die neu entstehenden Arbeitsformen.

Österreich als Wirtschaftsstandort – welchen Wert nimmt die Digitalisierung da ein?

Österreich steht nicht schlecht da, aber es gibt immer noch ungenutztes Potenzial. Die Digitalisierung ist natürlich auch in der Wirtschaft ein entscheidendes Kriterium für den Standort. Dafür braucht es die nötige Infrastruktur, digitale Innovationen gerade auch bei KMUs, aber auch die gut ausgebildeten Arbeitskräfte.

Wie können Wissenschaft und Forschung davon profitieren?

Wissenschaft und Forschung profitieren von der Digitalisierung und von einem guten Wirtschaftsstandort Österreich. Aber natürlich gilt das auch umgekehrt. Forschung und Innovation haben die Grundlagen für die Digitalisierung aller Bereiche geschaffen. Die Forschung wird weltweit in den nächsten Jahrzehnten neue Möglichkeiten im Bereich der Digitalisierung hervorbringen. Österreich hat mittlerweile die zweithöchste Forschungs- und Entwicklungsquote in der EU. Dies gilt es zu halten.

Ist mehr Aufklärung bezüglich Datensicherheit notwendig?

Durchaus und zwar in allen Bereichen, sowohl bei Privatpersonen, als auch bei Unternehmen. Der Schutz der Daten ist essenziell. Bei vielen spielt das allerdings immer noch eine untergeordnete Rolle. Die Gefahr wird oft zu spät – erst wenn ein Schadensfall eintritt – erkannt.

Stichwort Infrastruktur – was muss hier bedacht werden?

Die Infrastruktur ist natürlich die Grundvoraussetzung für den digitalen Wandel. Man kann im internationalen Wettbewerb nur erfolgreich sein, wenn die entsprechende digitale Infrastruktur zur Verfügung steht. Hier gilt es den Ausbau möglichst rasch voranzutreiben und schnelles Internet auch tatsächlich in die hintersten Täler zu bringen. Die Bundesregierung arbeitet daher an einer Breitbandstrategie, die flächendeckend schnelles Internet bringen soll.

Sind wir das 5G-Pionierland? Was erwarten wir uns davon?

Noch sind wir es nicht, aber wir wollen 5G-Pilotland werden. Die neue Technologie kann den Schlüssel für die Vernetzung bei zukünftigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen darstellen. Damit können neue Geschäftsmodelle entstehen, etwa in den Bereichen automatisiertes Fahren, Energie, E-Learning, E-Government oder E-Health.

Blick auf die Zukunft: Was sind die kommenden Schritte der digitalen Strategie?

Die Bundesregierung hat vor wenigen Wochen die Digital Roadmap beschlossen. Einen Plan, wie wir die Digitalisierung in den kommenden Jahren gestalten wollen. Darin sind zwölf Leitprinzipien und rund 150 konkrete Maßnahmen enthalten, die nahezu alle Bereiche des Lebens umfassen.

Einmal jährlich sollen diese Maßnahmen evaluiert werden. Einerseits der Umsetzungsstand, aber auch, ob sie noch adäquat sind oder durch neue ersetzt werden müssen. Denn wir müssen ebenso schnell und flexibel sein, wie es die Digitalisierung selbst ist.