Vor vielen Jahrtausenden ging ein Großteil der Menschheit nach und nach vom Jagen und Sammeln zur Landwirtschaft über. Seither hat sich vieles verändert und die landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion erlebte kontinuierlich technische Errungenschaften wie Dampf, Hydraulik und Elektronik mit. Gleichzeitig wurde die Landwirtschaft immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt.

Immer mehr Menschen wollen ernährt werden, somit muss die Flächenproduktivität gesteigert werden. Dabei sollen die Ressourcen aber möglichst schonend eingesetzt werden. Gleichzeitg sind Wetterkapriolen wie Trockenperioden, Hagel oder Überflutungen mit einzuberechnen.

Landwirte müssen Standards und Richtlinien einhalten

Ein nicht zu unterschätzender Bestandteil landwirtschaftlichen Schaffens ist heute, auf die Einhaltung von diversen Standards und Richtlinien zu achten. Das Gesetz gibt Auflagen vor, deren Erfüllung detailliert nachgewiesen werden muss. Nicht selten findet sich der Landwirt heute statt im Stall am Bürotisch wieder, wo Zahlen und Daten festgehalten und Bürokratiestöße abgearbeitet werden.

Die Aufzeichnung von Daten ist nicht nur wichtig, um sie Behörden vorzulegen. Auch für die betrieblichen Entscheidungsprozesse ist es notwendig, den Überblick über die Vorgänge am eigenen Hof zu bewahren.

Mit Hightech-Methoden komplexe Herausforderungen meistern

Zeitgleich zu diesen mannigfaltigen, komplexen Herausforderungen ist aktuell abermals eine Neuerung im Gange: Smart Farming oder Landwirtschaft 4.0 steht für bäuerliche Betriebe, die sich Hightech-Methoden bedienen, um den komplexen Anforderungen unserer Zeit gerecht zu werden. Digitalisierung und Vernetzung helfen also dabei, unser Essen zu produzieren. Wie das funktioniert? Schon länger werden unter anderem Sensoren, Roboter und Drohnen eingesetzt, um Daten zu liefern und den Arbeitsalltag zu erleichtern.

Wichtige Informationen zu Bodenbehandlung und Ernteverfahren erhalten Farmer über Apps und Datenmanagementsysteme. Mithilfe von GPS-Daten werden Fahrwege von Traktoren optimiert, zum Beispiel, um den Treibstoff sparsam einzusetzen.

Daten werden intelligent miteinander vernetzt

Neu ist: Beim Smart Farming werden die gesammelten Daten nicht nur einzeln eingesetzt, sondern in einem Farmmanagementsystem gesammelt und auf diese Weise miteinander verbunden. Oder, anders gesagt: Die unterschiedlichen Betriebsbereiche sind nun eng und intelligent miteinander verknüpft.

Der Vorteil für den Landwirt: Alle betrieblichen Informationen über den Hof werden mittels Software gut überschaubar in einem Programm dargestellt. Diese reichen von der Anbau- und Düngeplanung über Ernte, Herdenmanagement, Lagermanagement und Kostenrechnung bis hin zu Dokumentation und Betriebsanalyse.

Übersicht per Knopfdruck – von Anbauplanung bis Betriebsanalyse

Auf die entsprechenden Daten kann zum Beispiel vom Computer aus, aber auch in Form von Apps über's Smartphone oder Tablet zugegriffen werden. Bei webbasierten Lösungen wird dafür nur eine stabile Internetverbindung benötigt. Der Bauer kann je nach Betriebsart zum Beispiel im Programm ablesen, wie viel Pflanzenschutz er noch im Bestand hat oder betriebswirtschaftliche Kalkulationen erstellen.

Eine umfassende Analyse dieser Daten hilft, betriebliche Prozesse zu verbessern. Auch Familienmitglieder oder MitarbeiterInnen haben bei Bedarf Zugriff. Das konkrete Ziel ist, das gesammelte Wissen zu verwenden, um effizienter zu arbeiten und dabei weniger Ressourcen zu verbrauchen. Das geschieht, indem zum Beispiel Dünger oder Pflanzenschutzmittel gezielt eingesetzt werden.

Auch für kleinere und mittlere Betriebe interessant

Naturgemäß fallen die Gedanken bei Digitalisierung zumeist an landwirtschaftliche Großbetriebe. Smart Farming kann aber durchaus auch eine praktische, zeit- und energieschonende Chance für kleinere und mittlere Betriebe sein. Landwirtschaft 4.0 ist eine Möglichkeit, die Führung des eigenen Hofes zu vereinfachen, die Dokumentation zu automatisieren, besser zu planen sowie innerbetriebliche Potenziale zu erkennen und zu nutzen.

Die Anschaffung neuer Technik kann beispielsweise hofübergreifend geschehen, damit die Maschinen und Geräte je nach Bedarf von mehreren Betrieben genutzt werden können – ganz im Sinne eines weiteren Trends: der „Sharing Economy“.