Eigentlich wollte Sandra Thier Meeresbiologin werden: In Australien studieren, sich auf Delfine und Wale spezialisieren und in einer Forschungsstation direkt am Meer arbeiten.

Irgendwie kam es dann doch anders für die 33-jährige Steirerin, die heute vor allem als Nachrichtenmoderatorin beim deutschen Fernsehsender RTL II bekannt ist. In Graz geboren, fiel nach der Matura die Studienwahl leicht. Es musste nur etwas sein, das in ihrer Heimatstadt sicher nicht angeboten wurde.

Sandra Thier
TV-Moderatorin und Journalistin, geboren am 23.5.1979 in Graz

„Ich wollte die Welt entdecken“, erzählt Thier, „und die erste Station war Wien.“ Dort inskribierte sie Publizistik, Theaterwissenschaften und Philosophie. „Ich habe neben dem Studium immer gearbeitet“, erinnert sich die Moderatorin. Denn finanzielle Unterstützung von Zuhause gab es keine.

Ihre ersten journalistischen Schritte machte sie „ganz unten“, beim Hörerservice von Ö3. Als die ersten Fachhochschulen in Österreich eröffneten, wurde die Steirerin neugierig und bewarb sich für den berufsbegleitenden Lehrgang Kommunikationswirtschaft.

Zielstrebigkeit als Wegbereiter zum persönlichen Glück

Während sie dreimal in der Woche bis zehn Uhr Abends und jedes zweite Wochenende im Hörsaal saß, arbeitete sie sich im ORF hoch, betreute Sendungen, schnupperte in den Magazinjournalismus, wechselte schließlich als Volontärin zu einem Jugendmagazin und begann zu moderieren. „Verdient habe ich damals gar nichts, zum Teil konnte ich nicht einmal meine Miete ganz zahlen“, erinnert sich die 33-Jährige. „Das war mir egal. Ich habe nur gearbeitet und gelernt und wieder gearbeitet. Aber ich war total glücklich“, schildert Thier.

Bildung und Berufserfahrung als Wettbewerbsvorteil

Von der Uni schon den Zugang zu wissenschaftlichem Arbeiten gewöhnt, begeisterte sie an der FH die Gemeinschaft und die Praxisnähe. Ihr journalistisches Know-how erarbeitete sich Thier „learning by doing“. „Ich habe nie für andere, sondern immer nur für mich selbst studiert“, sagt die Moderatorin.

Das einzige, was sie nie geschafft habe, ist ein Auslandssemester. Noch bevor Thier ihre Pläne für einen Master oder Doktor im Ausland fertig geschmiedet hatte, ging ihre Karriere richtig los. „Denn plötzlich hatte ich einen riesigen Wettbewerbsvorteil“, sagt Thier. Gerade einmal 25 Jahre alt, hatte sie mehrere Studien ausprobiert und Jahre an Berufserfahrung angehäuft. Der Schritt nach Deutschland war nicht mehr weit.

Im Jahr 2005 ließ sie Wien hinter sich und ging als News Anchor zu RTL II. Dort moderiert sie auch heute noch die Nachrichten und betreut das Magazin ‚RTL II Spezial‘. Inzwischen klappt es auch mit der Miete.

Bildungsgeschichten erzählen

Die Begeisterung für bewegende Geschichten begleitet Thier auch in ihrem sozialen Engagement: Seit 2010 ist die Moderatorin UNICEF-Patin und reist für die Kinderhilfsorganisation durch die ganze Welt. Sie besuchte Kinder in Burundi, Bangladesch oder Ghana, sprach mit Kindersoldaten und Kriegsopfern. In Burkina Faso ist es üblich, dass bereits Säuglinge auf dem Rücken der Mutter in die Goldminen des Landes mitgenommen werden, sie wachsen dort auf, atmen den Steinstaub ein. Erreichen sie ein Alter von etwa vier Jahren, beginnen sie selbst zu arbeiten. „UNICEF versucht diesen Kreislauf zu durchbrechen“, erzählt Thier. Dabei setzt die Hilfsorganisation vor allem auf Bildung. Kindergärten und Schulen werden eingerichtet, wo die Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen – oft mit einfachsten Mitteln. „Kreide, Tafeln und Holzstäbchen zum Rechnen, viel mehr steht nicht zur Verfügung“, erzählt die Moderatorin.

Der größte Unterschied zu Österreich? Während hier die Kinder jammern und die Schule ein Muss ist, ist sie in Burkina Faso ein Privileg. „Die Kinder lieben es in die Schule gehen zu dürfen, sie freuen sich und singen. Das ist das stärkste positive Gefühl, das mir dort vermittelt wurde“, meint Thier. „Denn sie wissen sehr wohl, dass Bildung die einzige Chance ist, da herauszukommen.“