Dr. Susanne Geissler
Geschäftsführerin der ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen)

Was versteht man allgemein unter dem Begriff nachhaltiges Bauen?

Nachhaltigkeit im Gebäudesektor inkludiert die gleichwertige Betrachtung von ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. Nicht nur bei der Planung, sondern auch während der Errichtung und des Betriebs von Gebäuden.

Nachhaltigkeit ist eine Zielsetzung, und Gebäudebewertungssysteme geben Kriterien und Ziele vor, um nachhaltiges Bauen begreifbar und fassbar zu machen.

 

Nach welchen Kriterien kann man ein Gebäude als nachhaltig bezeichnen?

Zu solchen Kriterien zählen beispielsweise gesunde Raumluft, Energieeffizienz, Nutzung erneuerbarer Energiequellen, Verwendung umweltfreundlicher Materialien und niedrige Lebenszykluskosten. Aber nicht nur das, sondern auch Kriterien wie die Erschließung des Standorts mit öffentlichen Verkehrsmitteln (U-Bahn, S-Bahn, Zug und Bus) und Ähnliches.

 

Welche Rolle spielt moderne Technik in zukunftsorientierten Gebäuden?

In erster Linie sind standortspezifische architektonische Lösungen und neue Materialien gefragt, um besten Nutzungskomfort bereit zu stellen, Lebenszykluskosten zu minimieren und Energie im Gebäudebetrieb einzusparen. Gebäudetechnik soll ergänzend zum Einsatz kommen und zwar dort, wo sie notwendig und sinnvoll ist. Erneuerbare Energiesys-teme werden in die Gebäudehülle integriert. Die Zukunft liegt dabei eindeutig in der Materialentwicklung.

 

Welche Vorteile bringt die Anwendung von Geothermie?

Der Begriff Geothermie ist sehr vielfältig und vielschichtig. Im Prinzip handelt es sich um die Wärme, welche im zugänglichen Teil der Erdkruste gespeichert ist. Diese kann zum Heizen und Kühlen, zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. So unterschiedlich wie die Anwendungsgebiete und Verwendungszwecke der Geothermie sind, so vielseitig sind auch deren Vorteile.

 

Worauf ist bei öffentlichen Gebäuden besonders zu achten?

Öffentliche Gebäude sollen eine Vorbildrolle für nachhaltiges Bauen allgemein und für Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger im Speziellen einnehmen. Das bedeutet, dass in bestehenden Gebäuden Energiemanagement betrieben wird (Aufzeichnung des Energieverbrauchs nach Nutzungsarten und Planung und Durchführung von Verbesserungsmaßnahmen auf Basis dieser Daten) und dass bei der Planung von Instandhaltungsmaßnahmen immer auch energetische Verbesserungsmaßnahmen mitbedacht werden. So können Energieeffizienzmaßnahmen auch im Bestand kostengünstig realisiert werden.