Um das System optimal nutzen zu können, braucht es laut Pöschl Information und Selbstkoordination. Dinge, bei denen vor allem Menschen, die aufgrund psychischer oder körperlicher Erkrankungen vorübergehend aus dem Berufsleben ausgetreten sind, auf Probleme stoßen können.

Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund kämpfen mit Informationsdefiziten über das österreichische Ausbildungssystem – Unterstützung aus dem Elternhaus ist oft nicht möglich, erklärt Hofinger. Daher plädieren die Experten für möglichst frühe Investitionen in Bildung, offensive Information und begleitende Unterstützung benachteiligter Gruppen.

Jugendliche mit Migrationshintergrund: Hohe Bildungsambitionen

„Es liegt auf keinen Fall am fehlenden Ehrgeiz“, sagt Christoph Hofinger, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts SORA. In einer derzeit laufenden Studie zeige sich deutlich, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eine im Vergleich besonders hohe Bildungsmotivation aufweisen. Dennoch ist der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der Gruppe der Arbeitnehmer, die nur die Pflichtschule absolviert haben, besonders hoch.

„Das liegt auch an der fehlenden Kenntnis des österreichischen Schulsystems sowie an mangelnden Ressourcen“, meint der Sozialwissenschaftler. Ist die höchste abgeschlossene Ausbildung nur die Pflichtschule, bedeutet das nicht nur ein erhöhtes Risiko, arbeitslos zu werden, sondern auch eine unterdurchschnittliche Zufriedenheit im Arbeitsleben.

Die Lösung? Individualisierte Beratung, Werbung für technische Lehrberufe und der gemeinsame Unterricht der 10- bis 14-Jährigen als Chance, den Anschluss nicht frühzeitig zu verpassen.

Berufliche Rehabilitation: Leben neu gestalten

Menschen wieder das Gefühl zu geben, selbst etwas bewirken zu können – das sei nach einer erzwungenen Berufspause durch physische oder psychische Erkrankungen die größte Herausforderung, erklärt Roman Pöschl, Geschäftsführer des Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums.

Während bei physischen Einschränkungen das Erlernen von neuen Kompetenzen und die Umorientierung im Vordergrund steht – etwa vom Bauarbeiter zum Bautechniker –, konzentriert sich die Arbeit bei psychischen Erkrankungen vor allem auf den schnellen Gesundungsprozess. Zwar gebe es in Österreich viele Umschulungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten, allerdings sind diese nicht für alle Berufsgruppen gleich zugänglich: „Je geringer qualifiziert und älter ich bin, desto höher werden die Zugangsbarrieren.“

Pöschl setzt deshalb auf niederschwellige Unterstützungsangebote, viel Vermittlungsarbeit und wünscht sich auch möglichst frühe Investitionen in Bildung. „Denn berufliche Rehabilitation ist in Österreich immer noch eine ‚Kann-Leistung‘ und schließt vor allem Menschen in Hilfstätigkeiten aus.“