Steuerung aus der Ferne

Dieser Prozess geht einher mit einer voranschreitenden Automatisierung, die derzeit in vollem Gange ist. Der kluge Landwirt sitzt deshalb in Zukunft immer seltener allein auf sich gestellt auf dem Traktor. Stattdessen wird ihm bald vermehrt von künstlicher Intelligenz und digitalisierten Erntemaschinen unter die Arme gegriffen. Intelligente GPS-Steuerungen und smarte Software machen es möglich.

Aber bis diese Entwicklung abgeschlossen ist, wird es noch eine Weile dauern: Im von Klein- und Mittelbetrieben geprägten Agrarland Österreich dreht in erster Linie noch immer der Bauer selbst seine Runden auf dem Acker. Dennoch können smarte Lenksysteme, die in Großbetrieben anderer Länder bereits eingesetzt werden, auch auf kleineren Höfen große Unterstützung leisten.

Digitale Präzisionsarbeit

Während der Computer zum Beispiel nun für das Manövrieren zuständig ist, bedient der Landwirt mit voller Konzentration die Anbaumaschine, was auch einen effizienteren Einsatz ermöglicht. Ohnehin wird der Bauer damit nicht zum Sklaven der Maschine: Viele dieser Mechanismen lassen sich auf persönliche Präferenzen programmieren, sodass sich traditionelle Erfahrungswerte mit digitalen Datensätzen gewinnbringend verknüpfen lassen. 

Moderne Erntehelfer und intelligente Assistenzsysteme steigern somit die Produktivität: Dadurch lassen sich etwa Dünger und Pflanzenschutzmittel punktuell dort einsetzen, wo sie benötigt werden, anstatt das ganze Feld mit Chemie zu fluten. Diese genauere Flächenbearbeitung mithilfe der entsprechenden Sensorik nennt man Precision Farming.

Kein Acker ist schließlich eine gleichmäßig plane Fläche, sondern ein in allen Belangen heterogenes Gelände. Moderne Landwirtschaftsmaschinen sind in der Lage in Echtzeit auf einen veränderten Untergrund zu reagieren, anstatt wie früher für jedes Feld ein einheitliches Programm abzuspulen.

So verändern diese Gerätschaften situativ den Pflugmechanismus oder wechseln bei Bedarf auf eine andere Saatstärke. Möglich wird diese Präzisionsarbeit durch eine Kombination verschiedener Analysemethoden und Datensysteme.     

Erntegut mit Charakter

Derlei Sorgfalt wird im Ernteprozess auch deshalb immer wichtiger, weil der Gesetzgeber einem großzügigen und oberflächlichen Düngemitteleinsatz immer häufiger einen Riegel vorschiebt. Um diesen Restriktionen gerecht zu werden, ohne die Produktivität zu beeinträchtigen, helfen Assistenzsysteme, chemische Hilfsmittel nachhaltig und gleichzeitig effizient einzusetzen.

Solche nachhaltigeren Ergebnisse erzielen aber nicht nur die Erntemaschinen, sondern auch smarte Bewässerungssysteme, die ihre Intervalle bedarfsgerecht an die klimatischen Gegebenheiten anpassen.     

Sogar die Maschinen selbst danken einem den Einsatz der digitalen Unterstützung: Durch optimierte Fahrwege erledigen die smarten Gerätschaften mehr Arbeit mit weniger Aufwand, was somit auch einen geringeren Verschleiß bedeutet. Mittels einer modernen Datenanalyse im Blick auf Faktoren wie das Gelände oder das Wetter kann die Maschine möglichst kraftstoffsparend regulieren.

Ein geringerer Verbrauch bei steigender Produktivität wird auch durch Dreschsysteme erreicht, die ihr Ernteverhalten anhand einer Datenanalyse in Echtzeit an die Charaktereigenschaften des jeweiligen Ernteguts anpassen.

Vorausschauend managen

Doch nicht nur auf dem Feld helfen intelligente Technologien bereits jetzt den Landwirten: Managementsysteme, die alle Daten des Betriebs analysieren und strukturieren, unterstützen die Bauern bei einer möglichst effizienten Verwaltung ihres Hofs. So lässt sich etwa die Ertragsüberwachung deutlich verbessern. Aufgrund dieses Informationsplus können Landwirte daher bessere Entscheidungen über die Aussaat oder die produktivsten Erntezeiten fällen.

Mit solchen Managementsystemen ist man auch vor bösen Überraschungen, die einen Arbeitstag durcheinanderwirbeln können, gefeit, denn intelligente Maschinen sind mit einer Wartungssoftware ausgestattet. Reparaturbedarf wird schon bereits vorab identifiziert und in die laufende Organisation integriert, anstatt im Notfall improvisieren zu müssen. Dabei helfen auch Maschinenportale, die viele Hersteller inzwischen anbieten. Damit wird der Fuhrpark optimal gemanagt.

Überblick von oben

Smart Farming beschränkt sich aber nicht bloß auf digitale Zahlen- und Terminkalkulation. Auch in den Ställen kommt zunehmend Sensorik zum Einsatz. Bewegungsmelder etwa analysieren das Verhalten des Viehs, wodurch sich noch besser um die Tiere gekümmert werden kann.

Und nicht nur unter dem Stalldach hat die smarte Technologie ein Auge auf die Herde: Gerade bei der Bewirtschaftung von großen Flächen hat man mit verstärkt eingesetzten Drohnen einen viel größeren Überblick, anstatt sich auf der Erde auf sein eigenes menschliches Sichtfeld verlassen zu müssen.

Das digitale Monitoring hat daher gerade für den Landwirtschaftsstandort Österreich ein großes Potenzial: Viele bewirtschaften hier ihren Betrieb im Nebenerwerb. Und solche Technologien ermöglichen, im Stall oder auf dem Acker via Smartphone von überall nach dem Rechten zu sehen – auch wenn man nicht gerade im Büro sitzt oder auf dem Hof seinen Rundgang macht. Obwohl die Maschinen ihm immer mehr Arbeit abnehmen, bleibt der Landwirt also somit in Zukunft weiterhin in Bewegung.