Österreich ist für seine gut funktionierende, hochwertige Landwirtschaft bekannt. Laut Agrarstrukturerhebung 2016 gibt es mehr als 160.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. 90 Prozent werden von Familien bewirtschaftet, 15 Prozent aller Betriebe arbeiten biologisch. Alles in bester Ordnung, könnte man meinen. Demgegenüber steht aber die Tatsache, dass hierzulande jeden Tag im Durchschnitt der letzten 10 Jahre 20 Hektar Wiesen und Äcker verloren gehen. Das entspricht der Größe von 30 Fußballfeldern.

Die Konsequenz: In 200 Jahren keine Agrarflächen mehr

Die Erklärung für den enormen Bodenverbrauch liegt in der Verbauung für Straßen, Siedlungen, Einkaufszentren oder Industriegebäude. Konkret schwinden die heimischen Agrarflächen jedes Jahr um 0,5 Prozent – ein europäischer Spitzenwert. Würde diese Entwicklung ungebremst voranschreiten, gäbe es laut Umweltbundesamt in 200 Jahren gar keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen mehr.

Allein in den vergangenen 50 Jahren wurden 300.000 Hektar Felder und Wiesen verbaut – eine Fläche so groß wie die gesamte Ackerfläche Oberösterreichs.

Folgen für KonsumentInnen und Klima

Die Auswirkung der zunehmenden Verbauung von Bodenflächen sind vielfältig. Allen voran fehlt der verbaute Boden für den Anbau von Lebensmitteln, die Abhängigkeit von Importen steigt. Auch auf das Klima wirken sich zunehmend verbaute Agrarflächen negativ aus: Zubetonierter Boden wirkt nicht mehr als CO2-Speicher.

Das trägt zur Beschleunigung der Erderwärmung bei, was wiederum Dürreperioden begünstigt. Weil verbauter Boden kein Wasser mehr aufnehmen kann, besteht die zunehmende Gefahr von Überschwemmungen und Hochwasser. Gleichzeitig verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum, was die Artenvielfalt mindert

Wirtschaftliche Bedeutung

Nicht zuletzt kommen ökonomische Aspekte ins Spiel: Erstens sind durch das Verschwinden von Agrarflächen landwirtschaftliche Arbeitsplätze gefährdet. In Summe stehen rund 500.000 entlang der agrarischen Wertschöpfungskette am Spiel. Zweitens sind die unberührte Natur, aber auch bewirtschaftete Wiesen, Wälder und Almen sowie die kleinbäuerlichen Strukturen und Ab-Hof-Produkte ein zentraler Bestandteil im heimischen Tourismus.

Die zunehmende Verbauung des Landes könnte sich demnach auch negativ auf die touristische Anziehungskraft auswirken.

Lösungsansätze für die Zukunft

Langfristig muss ein Gleichgewicht zwischen genutzter Agrarlandschaft und verbauten Flächen, zum Beispiel für Wohnungen oder Straßen, gefunden werden. Es gibt Lösungsansätze, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse vereinen. Dazu gehört beispielsweise die Wiederbelebung leerstehender Immobilien und Industriebrachen. In Summe stehen mehr als 40.000 Hektar Gewerbe-, Wohn- und Industrieimmobilien leer und verfallen.

Das entspricht der Größe der Stadt Wien. Eine mögliche Idee für die Umsetzung wären monetäre oder steuerliche Anreize um diese wieder in wirtschaftliche Nutzung zu bringen. Und: Wird bei Neubauten in die Höhe gebaut, werden Flächen geschont.

Eine weitere Idee ist es, landwirtschaftliche Vorrangflächen, welche die Lebensmittelversorgung sicherstellen, gesetzlich zu schützen. Gemeinden könnten künftig belohnt werden, wenn sie umweltschonend wirtschaften und wenig Boden verbrauchen. Auch im Verkehr, der aktuell ohnehin im Umbruch ist, gibt es Lösungsansätze: Ein Mehr an öffentlichem Verkehr bedeutet nicht nur weniger Umweltbelastung, sondern auch einen geringeren Flächenverbrauch.

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