Auch in Österreich wachsen trotz  bereits hohen Urbanisierungsgrads viele Städte noch immer – fünf der neun Landeshauptstädte sogar schneller als Österreich gesamt. Mehr Bedarf an Fläche, Ressourcen und Energie entsteht aber v.a. durch den steigenden Konsum der EndverbraucherInnen (z.B. an Wohnfläche).

Gefordert  ist daher nicht nur eine Effizienzrevolution  in Bezug auf Energie und Ressourcen, sondern eine absolute Verbrauchsreduktion. Wir brauchen (neue) Technologien und die Bereitschaft der Menschen, ihr Verhalten demgemäß anzupassen. Von Abfall über Infrastruktur bis zu Verkehr müssen dabei unterschiedliche Bedürfnisse von BewohnerInnen, Wirtschaft, Ökologie und Verwaltung unter einen Hut gebracht werden.

Monika Auer
Mitglied der Geschäftsleitung der ÖGUT (Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik)

Diesem Anspruch versucht Nachhaltige Stadtentwicklung gerecht zu werden. Wissenschaft, Forschung und Politik haben in den letzten Jahren mit Forschungs-, Aktions- und Förderprogrammen eine intensive Auseinandersetzung zu den zentralen Themen Energie, Verkehr und Ressourcenverbrauch gestartet. Und eine lebendiger werdende Zivilgesellschaft hat entdeckt, dass man sich einmischen und den eigenen Lebensraum aktiv mitgestalten kann.

 

Herausforderungen und Lösungen moderner Stadtplanung

Beim Thema Energie dreht sich vieles um smarte Technologien. Die Smart City setzt diese für energieeffiziente Gebäude, Infrastrukturplanungen und Verkehrslösungen ein. Smart Grids machen Stromnetze fit für die dezentrale Energieerzeugung und sollen eine intelligente, denkende Schnittstelle zwischen Verbrauch und Erzeugung bilden. Bei neu errichteten Gebäuden sinkt der Energiebedarf immer mehr. Aber 40 Prozent der Energie in Europa wird für die Raumwärme in bereits bestehenden Gebäuden aufgewendet – dieser Altbestand muss systematisch saniert werden.

Moderne Stadtplanung ist der Schlüssel zur Frage, wie man immer mehr BewohnerInnen auf der knappen Ressource Fläche unterbringen kann. Bei der Nachverdichtung werden innerstädtische Flächenressourcen genutzt. Eingriffe erzeugen hier aber  zuerst einmal Ängste: Im bereits bewohnten Gebiet gilt es daher, die dort lebenden Menschen konstruktiv in solche Planungen einzubeziehen. Im Neubau hat man die Chance, von Anfang an rundum nachhaltig zu denken: optimale öffentliche Verkehrsanbindung, Nutzungsdurchmischung, flexibel nutzbare Gebäude, die mit ökologischen Baustoffen errichtet werden, Passivhausbauweise oder noch besser Gebäude, die Energie erzeugen. Reichen diese Strategien gegen die Stadtkrankheit Nr. 1, den sogenannten Speckgürtel, der enorm viel Fläche im Umland verbraucht und Verkehr erzeugt?

 

Energie und Umwelt

Die urbane Mobilität per PKW ist längst an ihre Grenzen gestoßen. Doch Alternativen stehen parat: der öffentliche Verkehr, das Fahrrad, das zu mehr taugt als zu Sonntagsausflügen, und die Elektro-Mobilität. Für den Individualverkehr gilt: „Nutzen statt besitzen.“ Sie versprechen bessere Luft, weniger Lärm und mehr Platz zum Leben bei weniger Energieeinsatz und Kosten. Der Verkehr legt bei Energieverbrauch und Emissionen aber noch immer zu – hier ist eine Kehrtwende dringend notwendig.

Diese Herausforderungen  können nur bewältigt werden, wenn Technologien, gesetzliche und ökonomische Rahmenbedingungen sowie Bewusstseinsbildung optimal zusammenwirken – und wenn es darüber hinaus klare und vor allem gemeinsame, gesellschaftliche Ziele sowie politischen Mut und Kreativität zu deren Durchsetzung gibt.